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Eine 10er-Liste für bessere Vorträge

Heute tu ich es. Ich weiche ab. Denn dieser Artikel hat nichts (oder beinahe nichts) mit dem Schreiben zu tun. Eher schon mit dem Sprechen. Um genau zu sein mit dem Vortragen, dem Präsentieren.

Die Umstände haben mich in letzter Zeit des Öfteren dazu getrieben, Vorträgen beizuwohnen. Die meisten dieser Vorträge (es sollte eigentlich Referat heißen, aber ich werde im Folgenden alles, was mit „Sprechen vor Publikum“ beschrieben werden kann, ob mit oder ohne Folien, als „Vortrag“ bezeichnen) waren – sorry – schlecht.

Anmaßend? Vielleicht. Hätten Sie den Vorträgen beigewohnt, hätten Sie aber möglicherweise ähnlich empfunden.

Aber woran habe ich mich denn nun gestoßen? An Vielem. An Unterschiedlichem. Einiges war auch gut, aber selten. Bevor ich jedoch anfange hier herumzulästern, wähle ich den wohlbekannten Weg der „10-Dinge-die-Sie-beachten-sollten!“-Liste. Solche Listen gibt es ja zur Genüge im Netz, doch ich kann nicht anders, als eine weitere beizusteuern.

Vielleicht ist Ihnen diese Liste von Nutzen. Vielleicht können Sie erahnen, was die Vortragenden, denen ich lauschen durfte, in meinen Augen ein wenig besser hätten machen können. Vielleicht hilft die Liste auch mir, mich an der eigenen Nase zu nehmen, wenn ich mal wieder vor jemandem spreche. Vielleicht werde ich irgendwann in meinem Mono/Dia/Multilog denken: Oh, verdammt, ich habe gerade gegen Punkt 8 verstoßen. Vielleicht.

1. Stehen Sie während des Vortrages

Das ist mir wichtig, daher Nummer eins. Es gibt tatsächlich Menschen, die beim Vortragen sitzen. Sie denken sich, so nehme ich an, der Kreis der Hörer sei zu klein zum Stehen, es ist ja auch viel zu wenig Platz zum Stehen, außerdem möchte ich mich nicht über die anderen erheben, wer bin ich denn, ich schäme mich, ich möchte mich nicht exponieren.

Falsch. Der Vortragende ist der Vortragende, deshalb heißt er auch „Vortragender“. Und der hat – sollte er gesund und dazu in der Lage sein – gefälligst zu stehen. Damit ihn jeder gut sehen und gut hören kann. Sitzen darf man erst wieder, wenn man fertig ist. Punkt.

Beim Vortrag zu stehen bedeutet aber nicht, dass man sich hinter einem Podest verstecken darf. Das möchte ich herausstreichen, denn ich habe das früher, wenn sich mir die Möglichkeit dazu bot, selbst gerne getan. Podeste erkläre ich hiermit für verboten! Die gibt es nur auf Parteiveranstaltungen und im Parlament. Sonst nirgends. Kopfmikros helfen übrigens.

Impassioned Speaker - Speaker's Corner, Hyde Park Bildnachweis: Stuart Cook (CC BY-NC-SA 2.0)

2. Tragen Sie mit offener Körperhaltung vor

Menschen, die unter der oben erwähnten Exponierung leiden, neigen dazu, ihre Körperhaltung dementsprechend anzupassen.

Einige verschränken zum Beispiel die Arme vor dem Brustkorb, was nichts anderes ist, als eine Abwehrhaltung. Man fühlt sich potenziell angegriffen, als wären Blicke und Fragen Waffen, die gegen einen gerichtet sind.

Andere stecken eine oder beide Hände in die Hosentaschen, um cool und abgehoben zu wirken.

Nichts davon ist gut.

Meine Lösung: Hände auf Gürtelhöhe ineinanderlegen, Handflächen nach oben. Die Hände benutzen, um das Gesagte zu unterstreichen oder auf etwas hinzuweisen, dann wieder in die Ausgangslage bringen.

Das in Kombination mit freundlichem Auftreten bedeutet für mich eine offene Körperhaltung.

Wirklich empfehlen möchte ich an dieser Stelle die Bücher zum Thema Körpersprache von Sami Molcho (z.B. „Alles über Körpersprache“).

3. Suchen Sie Blickkontakt

Ich behaupte Folgendes: Wenn Sie Blickkontakt mit Ihren Hörern halten, dann

  • erscheinen Sie dadurch sympathisch, weil nahbar;
  • steigt die Aufmerksamkeit, da sich die Hörer direkt angesprochen fühlen;
  • sinkt Ihre eigene Nervosität, falls vorhanden. Sie befinden sich dann nämlich plötzlich in einem Dialog, und Dialoge sind wir gewohnt.

Noch zwei Anmerkungen: Ein Trick ist, sich einige Personen aus der Menge sozusagen „herauszupicken“. Das können zum Beispiel jene sein, in deren Gesicht Sie besonders viel Wohlwollen zu erkennen glauben. Was man dabei aber nicht tun sollte, ist, nur ein oder zwei Personen zu diesem Zwecke zu erwählen. Das wird diesen schnell unangenehm werden, was dazu führt, dass sie sich abwenden.

4. Seien Sie auf keinen Fall monoton

Wie beim Vorlesen gilt: Monotonie killt. Und zwar die Aufmerksamkeit und den Wachheitsgrad der Hörer. Hatten Sie bei einem Vortrag schon mal das Gefühl, sie könnten auf der Stelle wegnicken? Furchtbar, oder?

Doch man kann etwas dagegen tun. Zum Beispiel kann man abwechslungsreich sprechen. Das bezieht sich sowohl auf die Sprachmelodie als auch auf den Rhythmus. Rattern Sie den Text nicht herunter, versuchen Sie frei zu sprechen. Stellen Sie Fragen, die Sie selbst beantworten. Fügen Sie Pausen ein. Unterstreichen Sie Wichtiges, in dem Sie etwas lauter werden. Arbeiten Sie also mit Dynamik.

Man kann aber auch wieder die Körpersprache bemühen. Bleiben Sie zum Beispiel nicht wie angewurzelt stehen, sondern bewegen Sie sich ein wenig. Wechseln Sie gelegentlich die Seite – zum Beispiel, wenn Sie mit einem Hörer auf der anderen Seite des Raumes Blickkontakt aufgenommen haben.

Oder gehen Sie ein Stück, um dann urplötzlich stehenzubleiben. So können Sie Aufmerksamkeit erregen, wenn Sie etwas, das Sie gleich sagen werden, für wichtig halten.

Um Sie aber auch vor dem anderen Extrem zu bewahren: Wackeln Sie bitte nicht herum, flitzen Sie nicht hin und her. Ich gebe zu, dass ich selbst früher sozusagen ein Herumwackler war. Ich habe es nicht bemerkt. Erst, als mir jemand sagte, er sei ganz nervös geworden, weil ich während des Vortrages so unruhig war, erkannte ich diesen Fehler und konnte ihn beheben.

5. Schwören Sie den Animationen ab

Das ist es auch schon. Zur Sicherheit noch einmal in Groß: VERWENDEN SIE BITTE KEINE ANIMATIONEN!!! Und wenn, dann nur ganz, ganz unauffällige. Subliminale. Höchstens ein sehr schnelles Fade-In. Kein Drehen, kein Explodieren, und schon gar keine Männchen, die irgendwo herumlaufen.

Warum? Weil SIE im Zentrum des Vortrages stehen. Es heißt ja auch Vortrag und nicht Vorbild oder Vorfilm. Die Folien in Ihrem Präsentationsprogramm sind nur zu Ihrer Unterstützung da, sie dürfen niemals die Oberhand gewinnen. Sie dürfen das Auditorium nicht von IHNEN, der absoluten Zentralfigur der Veranstaltung, ablenken.

Und sollte es unbedingt nötig sein, Animationen zu verwenden, weil Sie der Chef dazu zwingt oder Ähnliches, dann bitte nicht sprechen, während eine Animation abläuft. Der Hörer sieht nämlich nur auf die Bewegung und bekommt vom Gesprochenen nichts mit.

6. Seien Sie maßvoll mit Bild und Text

Dieser Punkt ist (wie andere auch) natürlich schwer abhängig vom Inhalt des Vortrages. Trotzdem will ich verallgemeinern: In Folien ausschließlich Bilder zu zeigen ist schlecht, und zu viel Text drin zu haben ist auch schlecht. Um mit Buddha zu sprechen: Es sollte der Weg der Mitte beschritten werden. Kein Overkill in irgendeiner Richtung.

Anmerkung: Folien ohne wesentlichem Inhalt (also z.B. nur Bilder) erfordern ein Hand-Out mit umso mehr davon.

7. Seien Sie vorbereitet, antizipieren Sie Fragen

Das ist sicherlich ein Allgemeinplatz: Man soll nicht schlecht vorbereitet sein, wenn man einen Vortrag hält. Ist ja auch eher unwahrscheinlich. Meistens spricht man über ein Thema, das einem das tägliche Brot ist, und man weiß daher ziemlich genau, wie der entsprechende Hase läuft.

Um aber Überraschungen vorzubeugen kann man folgende Methode anwenden: Man überlegt sich schon vorher, bei welchen Teilen des Vortrages oder bei welcher Folie welche Fragen gestellt werden könnten.

Versetzen Sie sich dazu in die Rolle eines interessierten Hörers oder Fachkollegen. Gehen Sie ihre Folien durch, durchsuchen Sie sie nach Unklarheiten, Auslassungen oder Zweideutigkeiten und stellen Sie sich Fragen dazu, um sie im Geiste zu beantworten.

Eine Steigerung dieser Methode ist, absichtlich Unklarheiten oder Auslassungen einzubauen und somit Fragen in dieser Richtung zu provozieren. Sie werden dann bei der Beantwortung der Fragen sogar noch souveräner sein und erscheinen.

8. Zeigen Sie keine Unsicherheiten

Auch wenn sich das Lampenfieber nicht ganz unterdrücken lässt, wenn die Handflächen schweißnass sind, wenn das Herz im Brustkorb klopft, als sei man wieder 15 und mit der neuen Flamme im Kino: Versuchen Sie, es nicht zu zeigen.

Das ist schwer,  ich weiß.

Mein Vorschlag: Arbeiten Sie mit Tricks. Sie wissen, dass ihre Hände zittern? Dann nehmen Sie, sobald Sie vor Ihren Hörern stehen, eben kein Glas mehr in die Hand – trinken Sie schon vorher etwas. Und benutzen Ihre Hände statt eines Laserpointers.

Ihre Stimme zittert? Sprechen Sie bewusst langsam. Das, was Sie in diesem Moment als langsames Sprechen empfinden, wird vermutlich ihr übliches Sprechtempo sein.

Was ich sagen will: Niemand ist perfekt und nur sehr wenige Menschen haben kein Lampenfieber. Und es stört auch nicht wirklich, wenn die Hörer ein ganz klein wenig davon mitbekommen. Dadurch erscheinen Sie Ihren Hörern vielleicht sogar sympathischer.

Aber nie, nie, nie darf man als Vortragender sagen: „Ja, also, entschuldigen Sie, ich bin ein wenig nervös, …“ und so weiter. Das ist – kurz gesagt – unprofessionell.

9. Lesen Sie nicht vor, benutzen Sie Handkarten nur in Ausnahmefällen

Zum Vorlesen: Muss ich mehr sagen? Geht wirklich nur, wenn es Sprachprobleme gibt. Also wenn Sie in einer Sprache vortragen müssen, die Sie nur mäßig beherrschen. Sonst nicht.

Zu den Handkarten: Ich lese und höre oft, dass man Handkarten als Leitfaden für seine Präsentation benutzen soll. Ich sage jein.

Wenn Sie zum Beispiel bereits ein Präsentationsprogramm wie Powerpoint oder Impress benutzen, dann brauchen Sie keine Handkarten. Sie haben Ihre Folien. Ein kurzer Blick auf den Bildschirm und Sie wissen, was als nächstes kommt.

Aber auch wenn Sie ohne Folien sprechen, benötigen Sie nicht automatisch Handkarten. Handkarten sind ja eigentlich für Inhalte gedacht, die man sich nur schwer merken kann. Namen, zum Beispiel. Abläufe innerhalb einer Veranstaltung. Zahlen und Daten. Das ist auch der Grund, warum man Fernsehmoderatoren sehr häufig mit Handkarten sieht.

Ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster: Bei guter Vorbereitung und kurzer bis mittlerer Vortragsdauer sind Handkarten nicht notwendig. Und seien wir uns doch ehrlich: Ohne sieht es einfach besser aus, oder?

10. Zeigen Sie einfache Grafiken

Ein Merksatz, der mir mal irgendwo über den Weg gelaufen ist, lautet: Gestalten Sie Ihre Grafiken derart, dass Sie sie ohne Probleme auch auf ein Flipchart zeichnen könnten. Den halte ich für gut und richtig. Einerseits kann es tatsächlich mal passieren, dass man auf Flipchart ausweichen muss, andererseits hat man bereits verloren, wenn man während des Vortrages selbst erst überlegen muss, was eine gezeigte Grafik ausdrückt und bedeutet.

99. Bonus-Tipp

Lernen Sie. Und zwar, indem Sie a) andere analysieren und b) sich selbst. Letzteres gelingt meistens nur, wenn man sich auf Video aufnimmt.

Viel Spaß bei Ihrem nächsten Vortrag!

Ihr Lapideus

 

Verzichtbare Lieblinge

Stephen King rät in seinem  Buch “On Writing: A Memoir of the Craft” (klare Kaufempfehlung an dieser Stelle; sollte jede(r) gelesen haben, die/der sich für kreatives/belletristisches Schreiben interessiert) dazu, von anderen Autoren zu lernen. Und zwar – wie könnte es anders sein –, indem man deren Texte liest. Zahlreich. Am besten sollte jeden Abend ein neues Buch auf dem Nachtkästchen liegen.

Aber was bedeutet das eigentlich, “von anderen lernen”?

Einerseits kann man sich natürlich etwas von anderen abschauen. Man kann versuchen, herauszufinden, was man an ihrer Arbeit gut findet, und dies dann auf die eine oder andere Weise in sein eigenes Werk einfließen lassen.

Die aus meiner Sicht sogar noch wertvollere Methode ist jedoch die Umkehrung des obigen Ansatzes: Nämlich kritisches Lesen. Nach Fehlern zu suchen, nach Unsauberkeiten, nach Dingen, die man eher vermeiden sollte.

Ich versuche das konsequent zu praktizieren und scheitere dabei eigentlich immer nur dann, wenn mich der Autor mit seiner Geschichte dermaßen in seinen Bann zieht, dass ich einfach nicht mehr aufpasse.

Unschönheiten

Bei meiner letzten Lektüre habe ich aber sehr wohl aufgepasst und bin auch fündig geworden.

Gelesen habe ich “The Alchemyst” und “The Magician” aus der sechsbändigen Serie “The Secrets of the Immortal Nicholas Flamel” von Michael Scott. Die anderen Bände liegen schon bereit.

Nicholas Flamel

Bildnachweis: Paul Lacroix (1806–1884) [Public domain], via Wikimedia Commons

Gleich vorweg: Ich will Scotts Bücher hier sicher nicht verreißen. Man darf sich zwar keine literarischen Höhenflüge erwarten, wenn man seine Bücher in die Hand nimmt, aber gute Unterhaltung sind sie allemal. Genau die Art von Buch, die man nach einem harten Tag im Büro lesen möchte: Einfach gestrickt, äußerst lineare Handlung, klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse. So wie das wahre Leben eben nicht ist.

Eine weitere Nebenbemerkung: Ich habe die Bücher im englischen Original gelesen. Alles hier Gesagte bezieht sich also ausschließlich auf die englischen Fassungen. Die unten angeführten Übersetzungen sind meiner Feder entsprungen.

Lieblingswörter und -phrasen

Die erste Sache, von der ich finde, dass man sie vermeiden sollte, ist die inflationäre Verwendung von Lieblingswörtern und -phrasen. Das nervt mich als Leser extrem.

Was ich damit meine, kann ich dank Herrn Scott anhand zweier Beispiele sehr einfach illustrieren: Eine seiner Lieblingsphrasen lautet

He/she tilted his/her head to one side.
(Er/sie neigte seinen/ihren Kopf zur Seite.)

und eines seiner Lieblingswörter ist das Wort “terrifying” (erschreckend, Furcht einflößend).

Ich bin mir sicher, dass Scott diese beiden Textelemente – absolut betrachtet – nicht sehr häufig benutzt. Aber sie fallen unangenehm auf. Speziell die Phrase “… tilted his/her head …” kommt viel zu oft vor, wird bei zu vielen Charakteren eingesetzt.

Dazu kommt noch, dass Scott die Wendung recht spät im ersten Band erneut verwendet, um eine wesentliche Figur (Sophie) näher zu beschreiben:

Sophie’s head tilted to one side, a gesture Josh knew well; his sister did it when she was listening intently to someone.
(Sophie neigte ihren Kopf zur Seite, eine Geste, die Josh nur allzu gut kannte; seine Schwester machte das immer, wenn sie jemandem aufmerksam zuhörte.)

Das sticht dann natürlich umso mehr ins Auge: Er will ja einen Charakterzug, ein Erkennungsmerkmal seiner Figur beschreiben. Und zu diesem Zweck auf eine derart verbrauchte Phrase zurückzugreifen, grenzt schon an Ignoranz.

Zu “terrifying”: Interessant, dass Scott so oft extra darauf hinweisen muss, dass etwas Furcht einflößend ist. Es wird terrifyingly gelacht, Figuren sind gern mal terrified und terrifying creatures gibt es ohne Ende – manchmal sogar in zwei Sätzen hintereinander.

Michael Scott hat noch ein paar andere Lieblinge – “He/she was reluctant to use his/her magic” fällt mir noch ein. Oder “… in a long time … a very long time.

Meine Meinung dazu: Man sollte erst gar keine Lieblinge haben. Und wenn doch, dann sollte man sich dessen sehr bewusst sein oder werden und sie eher zurückhaltend einsetzen. Das funktioniert im Englischen sicher genauso gut wie im Deutschen.

Seltsames Verhalten

Die zweite Vermeidbarkeit, die mir bei Scott aufgefallen ist, ist schwerer zu fassen. Man kann darüber diskutieren, das gebe ich an dieser Stelle schon mal zu, und vielleicht werden Sie anderer Meinung sein als ich, wenn Sie Scotts Bücher gelesen haben.

Ich spreche von “Den-Plot-über-das-Verhalten-der-Charaktere-stellen”.

Was meine ich jetzt damit? Nun ja, in Scotts Büchern verhält sich (mindestens) eine Figur ein wenig seltsam. Sie tut Dinge oder lässt sich auf eine Weise beeinflussen, die ich so nicht wirklich erwarten würde. Ich will hier nichts vorwegnehmen, sonst verderbe ich Ihnen noch den Spaß, aber sollten Sie die Bücher irgendwann einmal lesen oder bereits gelesen haben, dann denken Sie doch bitte über die folgende Frage nach: Ist Joshs Verhalten gegenüber Flamel und Dee nachvollziehbar?

Ich finde nicht. Ich glaube (und das ist nur meine Meinung, für die ich keinerlei Bestätigung habe), dass Scott einen ganz bestimmten Plot entworfen hat und die Charaktere diesem unterordnet. Nach dem Motto: Die haben sich gefälligst so zu verhalten, dass ich nicht an meinem Plot herumschrauben muss.

Ist legitim, würde ich sagen; eben eine Methode. Doch a), um noch einmal Stephen King zu bemühen, sollte es wohl mehr um die Story gehen, und nicht so sehr um den Plot. Und b) sollte man die Methode wenigstens so anwenden, dass der Leser nichts davon mitbekommt.

Versöhnung

Wie gesagt, ich will Michael Scott nichts Böses. Im Gegenteil: Ich bin ihm sehr dankbar.

Einerseits hat er mir gezeigt, dass man auch mit nicht ganz so perfekten Texten guten Erfolg haben kann. Ich muss auch sagen, dass mir die Settings, die er gewählt hat, und seine Verwendung von historischen Persönlichkeiten ziemlich gut gefallen.

Andererseits, und das soll die wahre Versöhnung sein, verursachen mir seine Bücher trotz der leichten Defizite einige schöne, entspannende Lesestunden. Und darauf kommt es ja letztendlich an, oder?

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am 24.10.2012 um 7:15