Monthly Archives: March 2013

Krankheit und Kreativität

gehen einfach nicht zusammen.

Wenn ich krank bin, und sei es nur ein grippaler Infekt, dann krieg ich nichts hin. Dann ist bei mir Sense. Dann reicht mein kreatives Potenzial nur zum Fernsehen. Dann kann ich nur konsumieren. Dann geht mein Hirn nicht aus dem Schlafzimmer raus, selbst wenn der Rest des Körpers Kaffee  oder Tee schlürfend in der Küche hockt. Dann wissen meine Hände nicht weiter. Dann bin ich zu blöd. Dann haben meine Gedanken Stuhlgang. Dann schreibe ich Stuss. Dann mach ich Rechtsschreibfehler. Dann möchte ich am liebsten ein paar Tage überspringen. Dann ärgere ich Sie mit Aufzählungen. Dann zähle ich die Minuten, bis das fiebersenkende Mittel wirkt. Dann nehm ich meine Kinder in den Arm und tröste sie, weil auch sie krank sind. Dann bin ich sowohl ignorant als auch indifferent. Dann stören mich Pleonasmen nicht. Dann sind Orgasmen in weiter Ferne. Dann assoziiere ich bis zu einem Grad, der Ihnen unangenehm werden könnte. Dann sollte ich aufhören.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Frühling.

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint im Gesundheitsfall am 10.4.2013 um 7:15 und beschäftigt sich aller Voraussicht mit einem Nerd-Thema: Versionierung von Textdateien.

 

Strukturierte Kreativität

Macke_Spaziergänger_am_See_I

August MackeSpaziergänger am See I [Gemeinfrei], via Wikipedia

Ich arbeite an einem Roman. Ende 2013 soll er fertig sein.

Wie sie sich vielleicht vorstellen können, ist mir dieses Vorhaben sehr wichtig. Trotzdem spreche ich nur selten darüber. Und wenn, dann beinahe ausschließlich mit meiner Frau (bis jetzt, zumindest).

Vor ein paar Tagen berichtete ich ihr über den derzeitigen Status meines kleinen Projekts: Dass ich noch immer beim Mindmapping bin, um Informationen über meine Figuren zusammenzutragen. Dass ich angefangen habe, für jede der vier Hauptfiguren Spannungsbögen zu zeichnen, um mir über ihre Stories klar zu werden. Dass ich mir Prämissen überlegt habe, um ein besseres Bild über die Wandlung der Figuren zu erhalten.

Mitten in meiner Aufzählung begann meine Frau zu lachen. Es war Abend, der erste ohne Kinder seit langer Zeit. Wir spazierten gerade den Wiener Ring entlang. Etwas verärgert blieb ich stehen. Ich gebe zu: Beim Thema Schreiben bin ich sensibel. Beinahe verwundbar.

Als sie lächelnd sagte: “Du arbeitest schon wieder so strukturiert. Sogar jetzt, wo du mir darüber erzählst. Ich glaube, du kannst gar nicht anders”, wich der Ärger von meiner Stirn und machte Platz für Grübelfalten.

So strukturiert?

Meine Frau hat recht: ich arbeite strukturiert. Und ja, ich kann nicht anders. Das liegt mir im Blut. Eine technische Ausbildung, ein naturwissenschaftliches Studium und viele Jahre in der IT hinterlassen Spuren. Ob man will oder nicht.

Das war aber nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass das Buch, das ich schreiben möchte, in keine Kategorie fällt, die nach Struktur schreien würde. Es ist kein Krimi, kein Thriller, keine Fantasy. Es geht einfach nur um Menschen.

Ich fragte mich also, ob ich nicht schon wieder drauf und dran war, mich dem Handwerk unterzuordnen. Mich völlig in Methoden und Techniken zu verfransen. So lange an irgendwelchen Grafiken und Übersichten zu feilen und zu schrauben, bis ich keine Kraft und Lust zum Schreiben mehr habe, bis Kreativität und Spontanität tot in der Grube liegen.

Das Gerüst

Der Zweifel nagte an mir und ich an ihm.

Eine Nacht später tat es meine innere Stimme meinem kleinen Sohn gleich, wenn man ihm die falsche Hose anzieht. Sie schrie: “NEIN, NEIN, NEIN!”

Nein, ich verfranse mich nicht. Nein, ich ordne mich nicht unter. Nein, Kreativität und Spontanität werden nicht zu Grabe getragen.

Alles, was ich mache, ist mir ein Gerüst zu bauen, das es mir überhaupt erst ermöglicht, kreativ zu sein. Ich erzeuge den Rahmen, innerhalb dessen ich mich frei bewegen, mich ausleben kann. Und der mich aufhält, sollte ich mich einmal in eine falsche, zeitraubende Richtung bewegen.

Kurz: Ich schaffe mir eine Arbeitsgrundlage.

Und das ist etwas Gutes, denke ich. Auch dann, wenn das Ergebnis ein Text sein soll, bei dem Zwischenmenschliches im Vordergrund steht.

Vielleicht sogar gerade dann!

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am Mittwoch, dem 27.3.2013