Monthly Archives: August 2013

Globaler Fleischfanatismus

Ich weiche ab. Vom Thema, meine ich. Es geht heute um: Vegetarismus.

Bei unseren Nachbarn in Deutschland gab und gibt es eine Diskussion um den so genannten “Veggie-Day”, ein Vorschlag der Grünen um einen verpflichtenden fleischlosen Tag in Kantinen.

Um ehrlich zu sein: Der Veggie-Day als Politikum ist mir egal und ich werde ihn hier nicht weiter kommentieren. Nicht egal sind mir jedoch die Argumente, die gebracht werden, und die Reaktionen auf dieses Thema.

Wenn man sich die Schlagwörter in den Medien ansieht, dann sieht das etwa folgendermaßen aus: Es geht um “unsoziale Fleischproduktion”, um “Klimaschädigung”, um “Gesundheitsgefährdung”. Das sind die Aufmacher, darüber wird diskutiert.

Fällt Ihnen etwas auf?

Es geht nicht um die Tiere. In keinem Satz. Dass Tiere getötet werden, um die Ernährungsgelüste des Menschen zu befriedigen, wird nicht erwähnt. Und ich bin mir sicher: Nicht aus Bosheit. Es muss wohl Ignoranz sein.

Nun werden Sie, sofern Sie überzeugter Fleischesser sind, vielleicht auf die Barrikaden steigen und sagen: Lapideus, Sie Idiot, Sie sind ja wohl so ein weltverbesserischer Gutmensch, ein tumber Tor, ein tiervernarrter Fanatiker.

Darauf muss ich antworten: Nein, das bin ich nicht. Ich bin (leider) noch nicht lange Vegetarier. Ich habe den Großteil meines Lebens Fleisch gegessen, hoffe aber, den größeren Teil meines Lebens noch vor mir zu haben, und ich verspreche, dass ich diesen fleisch- (Ernährung) und lederlos (Kleidung) verbringen werde. Ob ich es zum Veganer schaffe, weiß ich noch nicht.

Und wirklich: Ich bin kein Fanatiker. Ich bin ein äußerst rationaler Mensch. Ich habe lange und gründlich nachgedacht, bevor ich mich entschlossen habe, kein Fleisch mehr zu konsumieren.

Das Thema dabei war aber nicht meine Gesundheit. Auch nicht die unsozialen Verhältnisse oder die klimaschädlichen Bedingungen, die sich hinter dem schrecklichen Wort “Fleischproduktion” verstecken. Alles gute Gründe, aber nicht, worum es mir primär ging und geht.

Mein Beweggrund: Ich wollte einfach nicht, dass noch mehr Tiere meinetwegen getötet werden. Ich selbst könnte niemals eine Kuh umbringen. Kein Huhn. Nicht einmal eine Maus. Ich will das nicht, ich werde es nie tun. Aber wie sollte ich dann vor mir rechtfertigen, die zu einem Burger verarbeiteten Teile eines Rindes zu verspeisen? Oder die irgendeines anderen Tieres?

Ja, der Mensch steht an der Spitze der Nahrungskette. Die Position hat er sich erjagt, erkämpft, ertötet, erindustrialisiert. Ohne Zweifel. Aber es gibt keinen Grund, dass er dort stehen bleibt. Er kann die Nahrungskette verlassen, außerhalb stehen, sich anders ernähren. Allein, er tut es nicht. Warum? Weil es ihm schmeckt. Ich glaube, so simpel ist es.

Globaler Fanatismus

Vielleicht ist das Wort Fanatismus verfehlt, aber da es in Richtung der Vegetarier und Veganer doch recht häufig gebraucht wird, verwende ich es an dieser Stelle (ich habe das auch bereits in einigen Tweets getan). Ich behaupte also: Was den Fleischkonsum und das Töten von Tieren betrifft, leben wir in einer Welt des globalen Fanatismus. Er fällt nicht wirklich auf. Aber er ist da, hat die Gesellschaft durchdrungen. Die Mehrheit der Weltbevölkerung nimmt Teil – alle sind Fanatiker, ohne es zu wissen.

Warum? Sehen Sie sich bitte die Zahlen auf http://de.wikipedia.org/wiki/Viehwirtschaft an. Sie werden feststellen, dass allein in den Top 10 “Fleisch produzierenden” Staaten jährlich etwa 172 Millionen Tonnen Fleisch hergestellt werden (wird natürlich in Tonnen angegeben, nicht in Tieren …). Umgerechnet auf ein Rind von 500 kg wären das 344 Millionen Rinder, die jährlich ihr Leben lassen müssen, um zu Schnitzel, Gulasch oder Steak verarbeitet zu werden – wobei das sicherlich eine Milchmädchenrechnung ist, denn nicht alles vom Tier wird verwertet.

Und jetzt mal ehrlich: Finden Sie das nicht ein bisschen fanatisch? Oder umgekehrt: Finden Sie es wirklich fanatisch, wenn jemand an diesem System nicht teilhaben will und vorschlägt, die Tiere doch bitte in Ruhe zu lassen? Andere Wege zu finden, die durchaus im Rahmen des Möglichen liegen? Und sogar schmecken?

Dabei gehe ich noch nicht einmal soweit, dass ich die Gefühle der Tiere ins Spiel bringe. Oder Tierversuche. Oder Pelzproduktion. Oder das Wort “Tiermord”, das es juristisch gesehen gar nicht gibt, weil Tiere bei uns ja nur eine “Sache” sind, und keine Individuen. (Klingelt vielleicht auch hier die Fanatismusglocke?)

Sukkus

Vielleicht werden Sie mich hassen, wenn Sie diesen Artikel gelesen haben. Vielleicht werden Sie noch immer sagen: Idiot, Weltverbesserer, etc. Vielleicht. Aber ich bitte Sie um Folgendes: Gehen Sie in sich und beantworten Sie ganz ehrlich die Frage, ob Sie das Tier, das Sie verspeisen oder am Körper tragen möchten, töten könnten. Wenn die Antwort “Nein” lautet, dann gehen Sie einen Schritt weiter, indem Sie sich die Frage stellen: Warum bin ich eigentlich kein Vegetarier?

Ihr Lapideus (Vegetarier, kein Fanatiker)

 

 

Musikalische Erkenntnisse

In den letzten drei Monaten habe ich einige Lieder geschrieben, weitere sind in Arbeit. Nicht zuletzt deswegen, weil meine anderen Schreibprojekte aufgrund mangelnder Zeit eingefroren sind. Und ehrlich: Ich habe beim Schreiben schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt wie bei diesen Songs.

Der Grund für den Spaß: Ich habe mich mit verschiedenen Themen zu befassen. Ich will gut texten, eine Geschichte erzählen, Gefühle hervorrufen, muss dabei jedoch kurz und pointiert formulieren. Ich muss mich wieder einmal mit lyrischen Formen auseinandersetzen, darf darüber aber die Musik nicht vergessen. Und ich muss Melodie, Taktart und Begleitung (er)finden.

Hier ein kurzer Überblick über meine Erkenntnisse.

Was zuerst – Text oder Melodie?

Ich habe zu wenige Musikerbiographien gelesen, um wirklich zu wissen, wie andere das machen. Von meiner absoluten Lieblingsband “Genesis” (bin Fan der frühen Phase mit Gabriel und Hackett) weiß ich, dass die Musik häufig bereits im Kasten war, bevor getextet wurde. Wer die Musik von Genesis kennt, wird allerdings wissen, dass sie mitunter sehr komplex ist – also ganz im Gegenteil zu dem, was ich so produziere.

Bei mir auf jeden Fall kommt der Text meistens vor der Musik. Die Gründe dafür sind einfach: a) Der Text ist mir wichtig und nicht nur Transportwerkzeug für die Musik (oder gar für stimmliche Akrobatikübungen), und b) ich bin ein relativ schlechter Musiker – das Schreiben beherrsche ich einfach besser. Meine Herangehensweise: 1. Text, 2. Melodie, 3. Begleitung, 4. Details.

Erkenntnis 1: Ich denke, man sollte mit dem Element beginnen, auf das man den größten Wert legt und/oder das einem mehr liegt – sei es nun Text, Melodie, Beat, was auch immer. Freilich schadet es nicht, auch mal einen anderen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil: Das bringt Abwechslung und bewahrt einen davor, immer dasselbe Muster anzuwenden.

Text/Melodie/Lyrische Form

Ich glaube, dass die musikalische Interpretation eines Textes dem Autor recht großen Freiraum lässt. Selbst ein Text ohne perfekte Rhythmik und/oder Reime lässt sich mitunter wunderschön vertonen. Ein ungewöhliches Versmaß, die Kombination mehrerer Versmaße in verschiedenen Abschnitten oder die, übespitzt formuliert, Holprigkeit eines Textes zwingen einen regelrecht dazu, eine geeignete, und damit vemutlich noch nicht von jemand anderem benutzte Melodie zu finden.

Sicher, üblicherweise wird man gut daran tun, ein durchgehendes Versmaß einzuhalten. Aber man muss nicht unbedingt. Und das ist gut so.

Erkenntnis 2: Die Melodie kann Holprigkeiten im Text ausgleichen.

Erkenntnis 3: Einen Text zu vertonen schützt davor, eine bereits bekannte Melodie zu verwenden.

Begleitung

Hier mache ich es mir leicht, denn schwer kann ich es nicht: Ich suche mir die passenden Harmonien bzw. Akkorde auf der Gitarre.

Mir hilft der wohlbekannte Zugang über erste, vierte und fünfte Stufe, also zum Beispiel G, C und D für G-Dur. Mir helfen neben dem offensichtlichen Dur/Moll Akkordvariationen wie Dominantseptakkorde (z.B. G7), Suspended Chords (Sus2, Sus4) und Powerchords, wenns rockig sein soll. Mir hilft es, andere Songs zu analysieren, um zu sehen, welche Akkordwechsel gut funktionieren. Mir hilft es, Spaß am Musizieren zu haben.

Erkenntnis 4: Man muss nicht Musik studiert haben, um Musik zu machen, die von Herzen kommt.

Die Details …

… sind nicht zu unterschätzen. Steht eine Nummer mal auf festen Beinen, wird sie für Hörer erst interessant, wenn sie dynamisch wirkt. Und das tut sie nur, wenn sie es auch ist, wenn sie also Steigerungen, Pausen, Variationen beinhaltet (das gilt natürlich auch für Texte, finden Sie nicht?).

Mein Ansatz für die Details: Mit Menschen spielen, die bessere Musiker sind als ich, und ihre Ideen in die Nummer einfließen lassen. Sicher in der Basis sein (also alles auswendig beherrschen). Jammen, Spaß haben. Hundertmal spielen.

Erkenntnis 5: Sofern man kein musikalisches Genie ist, wird ein Lied erst gut, wenn man andere Musiker einbindet.

Erkenntnis 6: Übung macht wie immer den Meister.

Ihr Lapideus