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Das Ende der Höflichkeit

In letzter Zeit ist mir eine Frage immer wieder über den Weg gelaufen. Sie lautet: In welcher Intensität will ich meine Meinung äußern? Oder anders gesagt: Wie unhöflich und überheblich gestatte ich mir zu sein?

Ich bin ja von Natur aus ein eher freundliches Bürschchen. Man könnte fast meinen, ich wäre harmoniebedürftig. Und ja: Ich habe es gern, wenn alle lieb zueinander sind.

Selbst wenn eine Diskussion im Gange ist, und ich Teil ebenjener bin, dann entlockt man mir nicht so schnell derbe Worte, von hoher Lautstärke ganz zu schweigen.

Doch dann sind da diese Themen. Diese Themen, die mich bewegen, die mir im Innersten ein Anliegen sind, wo es mir in den Eingeweiden schmerzt, wenn jemand etwas sagt, das meinen Überzeugungen und meinem Wissen zutiefst entgegenläuft.

Und dann will ich aufspringen und denjenigen anschreien, ihn zur Schnecke machen, ihn fragen, auf welcher Droge er eigentlich unterwegs ist, was er geraucht hat, warum er zur Hölle nur so eine blöde Ansicht haben kann.

Tu ich aber natürlich nicht. Der andere macht es ja auch nicht, hat dabei aber vielleicht eine ebenso starke Meinung wie ich. Nur mit umgekehrten Vorzeichen eben.

Man kann schon sehen: Ich stecke fest. Was kann ich also tun, außer an der Situation zu verzweifeln?

Ich kann das Ende der Höflichkeit einläuten. Nicht das Ende des Reflektierens, des Prüfens, nein – wohl aber das Ende des freundlichen Nickens und des Versuchs, zu einem kleinsten gemeinsamen Nenner zu kommen.

Doch verstehen Sie mich nicht falsch. Ich werde nicht wütend um mich herumschlagen. Ich werde aber auch nicht damit fortfahren, mich in stundenlangen Gesprächen mit Andersdenkenden zu ergehen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Ich werde die Schnauze halten. Und dann werde ich schreien. So leise und durchdringend wie ich nur kann.

Auf Papier.

Ihr Lapideus