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Verzicht unmöglich

Wir können nicht mehr verzichten. Haben es verlernt. Wir möchten nehmen, wir möchten haben. Am besten alles und das sofort.

Man könnte auch sagen, wir haften an. Und alles, was gekauft werden kann, haftet sich an uns an, sobald wir es sehen.

Eigentlich nicht weiter schlimm. Es mangelt an nichts, alles fliegt zu, es braucht nur ein paar kleine Scheine oder Metallplättchen und zack – schon ist es da. Hedonismus ist nicht nur ein Wort, er ist unsere Realität.

Auch das wäre nicht weiter schlimm, würde es niemandem schaden.

Und hier fängt die Sache an, unangenehm zu werden. Da schaltet das Hirn ab, es wird erkennbar, dass das Wollen in uns große Macht besitzt. Das Wollen scheint nämlich untrennbar mit dem Verdrängen verbunden zu sein – wer viel will, dessen Fähigkeit dazu steigt ins Unermessliche.

Wir wollen Fleisch essen, also verdrängen wir das Morden. Wir wollen mobil sein, also verdrängen wir, dass wir die Atmosphäre verpesten. Wir wollen, dass alles billig ist, also verdrängen wir die unmenschlichen Produktionsbedingungen. Wir wollen es einfach haben, also benutzen wir Unmengen von Plastik und verdrängen die Schadstoffe darin und den Müll, der daraus entsteht.

Allein uns ändern, das wollen wir nicht.

Und das ist schade, denn die Änderung unserer Gewohnheiten ist die einzige Chance, die einzige Möglichkeit, zu einem gemeinsamen Nenner zu finden. Die einzige Möglichkeit, eine Balance zwischen unseren Bedürfnissen und denen des Rests der Welt zu erreichen.

Ihr Lapideus

Max und Jonas

Max und Jonas waren Kumpel.
Echte Freunde, nicht zu trennen.
Alles machten sie zu zweit,
spielen und um die Wette rennen,
Klaras kleinen Dackel jagen,
blind was am Geräusch erkennen,
hundert dumme Dinge nennen
oder vielleicht mehr.

Eines Tages, es war Frühling,
sagte Max zu Jonas: “Du,
ich glaub ich hab die Klara gern.
Denn mir geht’s schlecht,
ist sie mir fern.
Und wenn sie nah ist,
bin ich froh
und glücklich immerzu.
Sag mir Jonas: Wen magst du?

Jonas, flüsternd: “Ich mag dich, Max.
Wollte es dir immer sagen.
Lieb dich eine Ewigkeit,
hör mein Herz schon lange klagen,
hab den Mut doch nie gefunden,
Angst war mir ein Stein im Magen.
Kannst du was ich sag ertragen
oder vielleicht mehr?

Max ging schweigend aus dem Zimmer,
Jonas blieb allein zurück.
Er hatte Max so schrecklich gern,
Denn ihm ging’s schlecht,
war er ihm fern.
Und wenn Max nah war,
war er froh
und glücklich immerzu.
Sein Herz fragte: Wen magst du?

Jonas zeigte, wie er fühlte,
wollte sich nicht mehr belügen.
Einer sprach: “Gott wird dich strafen,
Sünde nennt sich solch Vergnügen.”
Einer sprach: “Du wirst nie Vater,
dafür kannst du nie genügen.
Musst dich unsren Normen fügen
oder vielleicht mehr.”

Jonas weinte sehr.
Oder vielleicht mehr.

Tage später, es war Abend,
Max bat Jonas, sich zu setzen.
Sagte: “Jonas, bitte glaub mir,
wollte niemals dich verletzen.
Hör nicht drauf was andre sagen,
lass sie sticheln, lass sie hetzen.
Lass dir nicht dein Herz zerfetzen
oder vielleicht mehr.”

Max nahm Jonas’ Hand in seine,
sah ihn an und sagte dann:
“Ich habe dich so schrecklich gern,
denn mir geht’s schlecht,
bist du mir fern.
Und wenn du nah bist,
bin ich froh
und glücklich immerzu.
Der, den ich mag, bist du!”