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Setzen wir uns zusammen

In Zeiten der politischen Aufruhr, in Zeiten des Krieges, in Zeiten der Unsicherheit ist doch nichts schöner, als einen Artikel zu lesen, der sich nicht im Geringsten mit Aufruhr, Krieg oder Unsicherheit beschäftigt.

Willkommen in diesem Artikel.

Es geht darum, sich zusammen zu reißen. Will sagen zusammenzureißen. Ich spiele Oberlehrer, das, was auf Twitter so verpönt ist. Ich möchte auf etwas hinweisen, das mir unendlich auf den Sack geht: Auf Fehler bei der Getrennt- oder Zusammenschreibung von Wörtern nämlich.

Es ist zu beobachten, dass es hier Defizite gibt – und das nicht nur bei Gelegenheitsschreiberlingen wie TwitterantInnen oder PrivatbloggerInnen. Auch bei professionellen AutorenInnen ist mir der eine oder andere Fauxpas aufgefallen. Selbst in (qualitativ minderwertigen, zugegeben) Kinderbüchern scheint der Stift das eine oder andere Mal entglitten zu sein.

Ich möchte hier aber nur auf jene Fehler eingehen, die mir wirklich oft über den Weg laufen. Und das sind solche bei der Zusammen-/Getrenntschreibung von Adverbien respektive Partikeln und Verben. Nämlich dann, wenn dem Schreibenden nicht klar ist, ob es sich nun um ein eigenständiges Adverb handelt oder um eine Partikel (ja, weiblich).

Wo liegt der Unterschied?

Einfach gesagt in der Betonung. Nehmen wir das Wort “zusammensetzen”. Wenn wir mit jemand anderem ein bisschen plauschen möchten, dann sagen wir zu ihm: “Wir sollten uns zusammensetzen.” Wenn Sie diesen Satz laut aussprechen, dann wird Ihnen auffallen, dass die Betonung auf “zusammen” liegt – auf der zweiten Silbe.

Hier spielt “zusammen” die Rolle einer Partikel, nicht die eines eigenständigen Adverbs.

Die andere Variante lautet: “Wir sollten uns zusammen setzen!” Die Betonung liegt ganz klar auf “setzen” und die Bedeutung ist eine völlig andere.

Was in weiterer Folge auch oft passiert, ist, dass getrennt geschrieben wird, wenn ein “zu” hineinrutscht.

Nehmen wir als Beispiel das Wort “zuvorkommen”. Wieder sieht man, dass “zuvorkommen” und “zuvor kommen” in Betonung und Bedeutung unterschiedlich sind. Es ist auch klar, dass meistens das Wort “zuvorkommen” im Sinne von “etwas erreichen, bevor es ein anderer tut” benutzt wird (oder werden sollte).

Trotzdem gibt es Autoren, die “zuvor zu kommen” schreiben, statt “zuvorzukommen”. Und das ist definitiv falsch.

Ich bitte Sie also, öfter mal zusammenzuschreiben. Sie können natürlich auch zusammen schreiben, wenn Sie zu zweit, zu dritt oder zu zehnt sind.

Wenn Sie mehr Informationen zu dem Thema haben möchten, empfehle ich erneut die Seite canoonet. Im speziellen Fall die Seite über Zusammen- und Getrenntschreibung bei Verben. Und nein, ich bekomme kein Geld von denen. Auch gut ist natürlich das Buch “Richtiges und gutes Deutsch” von Duden.

Ihr Lapideus