Monthly Archives: October 2014

Meinen, glauben, wissen

Eine Unterscheidung, die ich für sehr wichtig halte, und die ich mir in vielem, zu dem ich eine Meinung habe, immer wieder vor Augen führen muss, ist diese:

Das Fürwahrhalten, oder die subjektive Gültigkeit des Urteils, in Beziehung auf die Überzeugung (welche zugleich objektiv gilt), hat folgende drei Stufen: Meinen, Glauben und Wissen. Meinen ist ein mit Bewußtsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten. Ist das letztere nur subjektiv zureichend und wird zugleich für objektiv unzureichend gehalten, so heißt es Glauben. Endlich heißt das sowohl subjektiv als objektiv zureichende Fürwahrhalten das Wissen. Die subjektive Zulänglichkeit heißt Überzeugung (für mich selbst), die objektive, Gewißheit (für jedermann).

Immanuel Kant: “Kritik der reinen Vernunft”

Ich glaube (!), wir alle sollten diesem Zitat mehr Beachtung schenken.

Ihr Lapideus

 

I wü

I wü so vü, so vü wü i,
i pack’s nimma, wie vü i wü.
I mecht a Auto oda zwa,
a großes Haus, des mecht i a.
A Frau, an Hund, a gscheides Kind,
an Post’n, dea a Knedl bringt.
Mei Weinfassl, des waa nie laa,
mei Pnö hätt imma zwa, drei bar.
Und denk’n tat i nimmamehr,
weu des mocht des Leb’n schwer.

I glaub, heit wü i nua mehr schlof’n,
auf muagn kann ma imma hoff’n.
Vielleicht foit ma dann wos Neiches ein,
weu des Woll’n, des muass jo sein.

Der eitle Veganer

Variationen des Satzes “Vegan, des is der Trend do der neiche, oda?” sind mir in letzer Zeit nicht unhäufig untergekommen. Ich muss zugeben, dass der erste Impuls, der zumindest mich durchzuckte, ein eitler war. Wer wagte es, eine Sache, die mich in den letzten zwei Jahren intensiv beschäftigt und – ja – definiert hatte, und die mir und vielen anderen wirklich wichtig war, als bloßen Trend abzutun?

Der Impuls flitzte in mir herum, hob meine Herzfrequenz um ein paar Schläge pro Minute, versandete dann aber doch noch irgendwann im Meer der Befindlichkeiten – zum Glück. An die Stelle des Impulses trat die Vernunft.

Sie sagte: “Sei nicht deppert. Es ist gut, wenn Veganismus eine Zeit lang zum Trend wird. Auch wenn sein Dasein als Trend einigen Menschen die Möglichkeit bieten wird, ihn sogar noch mehr herabzuwürdigen, als sie es vorher schon getan haben. Auch, dass Trends immer von geringer Dauer sind und die Welt noch nie wesentlich verändert haben, tut nichts zur Sache.

Auf den steten Tropfen kommt es an! Und auch ein Trend ist solch ein Tropfen. Er kann bewirken, dass das Thema Tierethik und die Organisationen, die sich damit beschäftigen, wieder ein Stück weit ins öffentliche Interesse rücken. Es könnte sogar sein, dass dank dieses Trends ein paar Tiere (sei es aufgrund der geringeren Nachfrage oder der vermehrten Berichterstattung) plötzlich unter etwas besseren Bedingungen oder wenigstens ein paar Tage länger leben dürfen. Und – egoistische Gedanken müssen erlaubt sein – ein paar neue vegane Produkte werden ganz sicher auch dabei herausschauen.

Was aber am allerwichtigsten ist: Veganismus als Trend wird bei einigen Menschen Großes bewirken. Sie werden sich Bücher zum Thema Veganismus kaufen. Sie werden erkennen, dass es dabei um mehr geht, als nur um einen niedrigen Blutdruck und weniger Cholesterin im Körper. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand blicken. Und sie werden ihr Leben vielleicht grundlegend ändern. Ergo: Es lebe der Trend!”

So sprach die Vernunft. Ich mag sie.

Ihr Lapideus