Baseball

Baseball

Bildnachweis: Adam Finley (CC BY 2.0)

Am Sonntag waren meine Familie und ich Zuschauer bei einem Spiel der Vienna Lawnmowers, einer österreichischen Baseball-Mannschaft. Ja, Sie haben richtig gelesen: In Österreich wird Baseball gespielt. Nicht auf amerikanischem Niveau, aber mit Begeisterung.

Ich war selbst mal ein Lawnmower – ein Rasenmäher. Ist schon einige Zeit her. Ich habe damals meistens auf der Position “Catcher” gespielt – das ist der, der mit schwerer Rüstung im Sand hockt und all jene Bälle des Pitchers (Werfer) fängt, die der Batter (Schlagmann) nicht ins Feld zu donnern vermochte.

Irgendwann war es mir dann aber zu viel. Zu viel des Aufwands, der beträchtlich ist, zu viel der Verletzungen (denn die Bälle landen nicht immer dort, wo sie sollen), zu viel des Drecks. Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich machte Schluss mit dem Sport.

Führe mich nicht in …

Nach dem Spiel am Sonntag fragte mich schließlich ein alter Bekannter, ob ich denn keine Lust habe, wieder zu spielen. Ob es mich nicht reizen würde, wieder einen Schläger in die Hand zu nehmen, wieder einen Handschuh anzuziehen.

Ich schüttelte sofort heftig den Kopf, sagte, meine Prioritäten lägen zurzeit woanders, ich habe kein Interesse, nein, danke.

Ich fürchte, das war nicht ganz ehrlich.

Während des Spiels waren nämlich Erinnerungen an alte Zeiten hochgekommen, Erinnerungen an die schönen Momente: Das satte Geräusch, wenn man den Ball genau an der richtigen Stelle trifft. Die Genugtuung, wenn man einen Läufer auf der Second Base ausmacht. Das Gemeinschaftsgefühl.

Alles Dinge, die es wert wären, wieder anzufangen. Alles Dinge, die mich in Versuchung führen.

Doch die Zeit ist knapp und es gibt Wichtigeres.

Nutze den Tag

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Sie haben Familie, Beruf und (abgesehen von Ihrem Partner) eine große Leidenschaft – zum Beispiel das Schreiben.

Und jetzt die große Frage: Wollen Sie Zeit für anderes haben?

Ich habe mir diese Frage Sonntagabend gestellt. Das Ergebnis: Ich will es nicht. Nicht mehr. Ich möchte jede freie Minute, die ich nicht mit meiner Familie verbringe, dem Schreiben widmen. Mein Gefühl sagt mir: Ich darf mich nicht mehr ablenken lassen. Das Leben ist zu kurz.

Sie halten diese Ansicht für übertrieben? Möglicherweise haben Sie recht. Vielleicht bin ich zu verbissen in meiner Sache.

Vielleicht aber auch nicht.

 

2 thoughts on “Baseball

  1. Patrick Slond

    Ein Spannungsbogen zwischen Qualität und Vielfältigkeit

    So nun ist es soweit und ich fühle mich angetrieben nun auch mal auf einen BLOG zu reagieren

    Das Thema beschäftigt mich schon zu lange als dass es emotionslos an mir vorübergehen könnte. Diverse Diskussionen oder Debatten (mir gefällt das Wort Debatte in diesem Kontext ;-)) hatte ich mit meiner Familie und Bekannten, und jeder hat einen anderen Zugang.

    So ist es für den Einen ein Unding sich seiner Hobbytätigkeit nicht mit Akribie zu beschäftigen und kann gar nicht genug Tiefe haben, ist es für den Anderen der Reiz des Neuen oder Verlassen der fad gewordenen Tätigkeit.

    Ich gehöre sicherlich zu den „Springern“, kann mich für viele Aktivitäten begeistern und lasse mich auch gern mal von anderen Menschen die ihr „Ding“ mit Hingabe machen verführen. „Wer mehr probiert hat mehr vom Leben“ so die Devise. Habe ich dann ein gewisses Niveau oder Ergebnis erzielt freue ich mich über Erreichtes und widme mich dem Neuen.
    Spannend fand ich aber eine hitzige Debatte vor gar nicht langer Zeit mit einem „Spezialisten“. Sein Argument: „Du wirst nie eine Top-qualität ohne Spezialisierung erreichen“, war schon sehr stark. Wenn man schon seine wertvolle Zeit für eine Aktivität einsetzt so soll das Ergebnis ja auch gut, nein sehr gut sein. Warum? Das (Erfolgs-)Erlebnis ist einfach stärker, so seine Argumentation.

    Es geht also wieder um’s Glücklich-sein. Um subjektive Emotionen, um unkontrollierbare Gefühlsausbrüche, um Kribbeln im Bauch, im positiven als auch negativen Sinne. Wie man sie bekommt ist so individuell wie jeder Mensch nun mal ist.

    Für mich ist es erstrebenswert möglichst viele verschiedene Aktivitäten zu erleben. Am Besten wenn ich mich den spontanen, subjektiven Lustgefühlen hingebe. Dazu gehört natürlich auch das aufwärmen alter Liebschaften. Habe ich die Chance und gerade Lust auf Baseball dann werde ich mein momentan Bestes geben und mich den Erlebnissen hingeben; eine gewisse Vorbereitung gehört natürlich auch dazu. Qualität steht dabei aber nicht unbedingt im Vordergrund. Ein Manko? Wahrscheinlich schon, denn der Homerun wird mir potenziell nicht gelingen.

    Dem Spezialisten wird es aber gelingen. Er/Sie erreicht sein Glückgefühl durch immer bessere Leistungen oder höhere Qualität. Je mehr geübt, trainiert und dran gearbeitet wird desto objektiv besser wird das Ergebnis aber auch das empfundene Glücksgefühl.

    Ich denke beide Zugänge sind valide und jeder muss für sich selber entscheiden ob die Qualität oder die Vielfalt im Vordergrund steht. Die hohe Kunst liegt wohl im Finden einer Balance zwischen selbstgewähltem Qualitätsniveau und lustgetriebener Abwechslung.

    So long…
    Sir Padraig

    Reply
    1. Lapideus Post author

      Danke für deinen Kommentar, lieber Sir Padraig! Freue mich sehr darüber!
      Ich finde, du hast völlig recht: Beide Ansätze sind voll in Ordnung – am Ende des Tages zählt nur, ob man glücklich ist oder nicht.

      Reply

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