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Twitterhymne

Ich hatte bereits ein paar Absätze geschrieben, in denen ich über Facebook und meinen gelöschten Account philosophiere. Doch auch diese Absätze habe ich gelöscht – darin scheine ich derzeit ganz gut zu sein –, denn ich will ja eigentlich nicht über FB schreiben, sondern vielmehr über Twitter.

Ich mach es überhaupt kurz: Was könnte ich in schnöden Artikelabsätzen schon mehr sagen, als ich es in den kommenden Zeilen tue?

Twitterhymne

Twitter, großartiges Twitter! Du ziehst Menschen an, die etwas zu sagen haben, und sich sogar überlegen, wie sie es sagen! Menschen, die nicht ihre Urlaubsfotos teilen oder wie sie gerade in der Unterhose auf der Veranda stehen.

Twitter, unglaubliches Twitter! Du lässt mir die Freiheit zu folgen, wem ich will, zu finden, wen ich will, zu lesen und zu staunen, worüber ich will.

Twitter, weltoffenes Twitter! Du hast die Hashtags! Du bist Plattform für Revolutionen!

Twitter, ehrenwertes Twitter! Du bist Poesie. Du gibst Raum für wahre Kunst, und zwar nicht zu viel und nicht zu wenig, genau 140 Zeichen, perfekt, was zur Hölle will man mehr, alles andere wäre Schwafelei.

Twitter, sch**ßgutes Twitter! Auch du lässt Schwachsinn zu. Und es ist gut so!

Twitter, liebes Twitter! Du müllst mich nicht mit Werbung zu, du entscheidest nicht für mich, was ich wann lesen möchte, und du kennst die Worte “edge” und “ranking” nur aus einer dunklen Sage.

Twitter, ewig währendes Twitter! Du bist ein Ort, an dem sich Menschen mit denselben Interessen tatsächlich finden und austauschen können. Du bist ein Ort, an dem Freundschaften entstehen, die nichts mit Zufall zu tun haben.

Twitter, teures Twitter! Du tust (noch) nichts Böses mit meinen Daten, nicht zuletzt, weil du kaum welche hast.

Twitter, beständiges Twitter! Bleib so, wie du warst und beschränk dein API nicht zu sehr.

Wir zwitschern uns!

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am Mittwoch, dem 7.5.2013 um 7:15

 

Twittern Sie auch zu viel?

Franz Marc - Der tote Spatz

Franz Marc (1880-1916) – Der tote Spatz
[Public Domain] via Wikimedia Commons

Obwohl ich bereits seit längerem einen Twitter-Account besitze, habe ich noch nie so viel Zeit auf dieser Plattform verbracht wie in den letzten vier Wochen. Ich bin mir nun sicher: Twitter ist einzigartig.

Auf Twitter kommuniziert man mit Menschen, denen man nie zuvor begegnet ist. Den meisten dieser Menschen wird man vermutlich auch nie begegnen, will sagen: von Angesicht zu Angesicht. Und trotzdem gibt es eine Verbindung mit ihnen.

Es ist nämlich unglaublich leicht, auf Twitter Menschen mit Interessen und Neigungen zu finden, die den eigenen ähnlich sind. Man kann sich austauschen. Man erhält eine Fülle von Informationen – Links auf Zeitungs- und Blogartikel, Vorschläge, Empfehlungen, you name it – die man kaum überschauen kann. Herrlich!

Der Nachteil dabei: Man kann 24/7 twittern (schreibend wie lesend) und bekommt trotzdem nur einen winzigen Bruchteil dessen mit, was so in die Welt hinausgezwitschert wird. Twitter ist ein Fass ohne Boden. Ein großartiges – zugegeben. Doch das ändert nichts an der Sache.

Schreiben

Mein erklärtes Ziel für 2013 ist es noch immer, ein Buch zu schreiben. Nennen wir es von mir aus Roman. Was es am Ende wirklich wird, werden wir sehen.

Der Haken dran ist, dass meine Zeit knapp bemessen ist. Ich bin Ehemann, Vater zweier Söhne und verdiene mein Geld in einem Job, der mit dem Schreiben so viel zu tun hat wie Schneeschaufeln mit dem Anfertigen von Eisskulpturen.

Ich muss also mit meiner Zeit haushalten. Die Zahl der Freiräume, die ich für das Schreiben reservieren kann, ist gering. Ich muss priorisieren.

Und dann kommt Twitter daher, wo Menschen Texte in die Welt pfeifen, denen man sich kaum entziehen kann. Wo Menschen das Schreiben ganz offensichtlich genauso lieben wie man selbst – oder sogar noch mehr.

Notbremse

Im meinem Artikel „Baseball“ habe ich schon einmal ein ähnliches Szenario beschrieben: Meine Schreibzeit war auch damals bedroht worden. Nur, dass der Aggressor eben Baseball war, und nicht Twitter.

Im Unterschied zu Baseball hat Twitter jedoch bereits eine Schlacht gewinnen können. Es hat nämlich in meinem Kopf Fuß gefasst. Ich twittere gern. Es macht mir Spaß. Der Akku meines Smartphones ist schon am Verzweifeln.

Was bleibt mir also? Ich fürchte, ich kann nur die Notbremse ziehen. Gemäßigt, wohlgemerkt. Es soll ja kein voller Stopp werden. Eher eine wohldosierte, aber sehr scharfe Bremsung in Richtung gemächliches Fahren.

Ich werde nur mehr jenen Menschen folgen, die mich wirklich interessieren. Alle anderen muss ich um Verzeihung bitten. Darüber hinaus werde ich nur mehr ein- oder maximal zweimal pro Tag twittern. Anders geht es wohl nicht.

Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich, dann verraten Sie mir bitte, wie Sie sie handhaben. Wie sieht Ihre Lösung aus? Das würde mich wirklich interessieren!

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am 6.2.2013.