Category Archives: Text

Das Kriechtier

Intermedium: Der Text zu einer Klanggeschichte.

Einst kroch ein Kriechtier durch die Berge,
da traf es plötzlich ein paar Zwerge.
Die Zwerge, klein mit Klingelkäppchen,
die stiegen auf ein hohes Treppchen.
Doch weil dort oben starker Wind blies,
und weil dort oben Zwerg an Zwerg stieß,
da fiel’n die Männchen polternd runter.
Selbst Siebenschläfer wurden munter.
Das Kriechtier, das ging kichernd weiter,
die Zwerge machten’s Treppchen breiter.

Ihr Lapideus

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Das Kriechtier von Bruno Steininger ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International Lizenz.

Setzen wir uns zusammen

In Zeiten der politischen Aufruhr, in Zeiten des Krieges, in Zeiten der Unsicherheit ist doch nichts schöner, als einen Artikel zu lesen, der sich nicht im Geringsten mit Aufruhr, Krieg oder Unsicherheit beschäftigt.

Willkommen in diesem Artikel.

Es geht darum, sich zusammen zu reißen. Will sagen zusammenzureißen. Ich spiele Oberlehrer, das, was auf Twitter so verpönt ist. Ich möchte auf etwas hinweisen, das mir unendlich auf den Sack geht: Auf Fehler bei der Getrennt- oder Zusammenschreibung von Wörtern nämlich.

Es ist zu beobachten, dass es hier Defizite gibt – und das nicht nur bei Gelegenheitsschreiberlingen wie TwitterantInnen oder PrivatbloggerInnen. Auch bei professionellen AutorenInnen ist mir der eine oder andere Fauxpas aufgefallen. Selbst in (qualitativ minderwertigen, zugegeben) Kinderbüchern scheint der Stift das eine oder andere Mal entglitten zu sein.

Ich möchte hier aber nur auf jene Fehler eingehen, die mir wirklich oft über den Weg laufen. Und das sind solche bei der Zusammen-/Getrenntschreibung von Adverbien respektive Partikeln und Verben. Nämlich dann, wenn dem Schreibenden nicht klar ist, ob es sich nun um ein eigenständiges Adverb handelt oder um eine Partikel (ja, weiblich).

Wo liegt der Unterschied?

Einfach gesagt in der Betonung. Nehmen wir das Wort “zusammensetzen”. Wenn wir mit jemand anderem ein bisschen plauschen möchten, dann sagen wir zu ihm: “Wir sollten uns zusammensetzen.” Wenn Sie diesen Satz laut aussprechen, dann wird Ihnen auffallen, dass die Betonung auf “zusammen” liegt – auf der zweiten Silbe.

Hier spielt “zusammen” die Rolle einer Partikel, nicht die eines eigenständigen Adverbs.

Die andere Variante lautet: “Wir sollten uns zusammen setzen!” Die Betonung liegt ganz klar auf “setzen” und die Bedeutung ist eine völlig andere.

Was in weiterer Folge auch oft passiert, ist, dass getrennt geschrieben wird, wenn ein “zu” hineinrutscht.

Nehmen wir als Beispiel das Wort “zuvorkommen”. Wieder sieht man, dass “zuvorkommen” und “zuvor kommen” in Betonung und Bedeutung unterschiedlich sind. Es ist auch klar, dass meistens das Wort “zuvorkommen” im Sinne von “etwas erreichen, bevor es ein anderer tut” benutzt wird (oder werden sollte).

Trotzdem gibt es Autoren, die “zuvor zu kommen” schreiben, statt “zuvorzukommen”. Und das ist definitiv falsch.

Ich bitte Sie also, öfter mal zusammenzuschreiben. Sie können natürlich auch zusammen schreiben, wenn Sie zu zweit, zu dritt oder zu zehnt sind.

Wenn Sie mehr Informationen zu dem Thema haben möchten, empfehle ich erneut die Seite canoonet. Im speziellen Fall die Seite über Zusammen- und Getrenntschreibung bei Verben. Und nein, ich bekomme kein Geld von denen. Auch gut ist natürlich das Buch “Richtiges und gutes Deutsch” von Duden.

Ihr Lapideus

 

Musikalische Erkenntnisse

In den letzten drei Monaten habe ich einige Lieder geschrieben, weitere sind in Arbeit. Nicht zuletzt deswegen, weil meine anderen Schreibprojekte aufgrund mangelnder Zeit eingefroren sind. Und ehrlich: Ich habe beim Schreiben schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt wie bei diesen Songs.

Der Grund für den Spaß: Ich habe mich mit verschiedenen Themen zu befassen. Ich will gut texten, eine Geschichte erzählen, Gefühle hervorrufen, muss dabei jedoch kurz und pointiert formulieren. Ich muss mich wieder einmal mit lyrischen Formen auseinandersetzen, darf darüber aber die Musik nicht vergessen. Und ich muss Melodie, Taktart und Begleitung (er)finden.

Hier ein kurzer Überblick über meine Erkenntnisse.

Was zuerst – Text oder Melodie?

Ich habe zu wenige Musikerbiographien gelesen, um wirklich zu wissen, wie andere das machen. Von meiner absoluten Lieblingsband “Genesis” (bin Fan der frühen Phase mit Gabriel und Hackett) weiß ich, dass die Musik häufig bereits im Kasten war, bevor getextet wurde. Wer die Musik von Genesis kennt, wird allerdings wissen, dass sie mitunter sehr komplex ist – also ganz im Gegenteil zu dem, was ich so produziere.

Bei mir auf jeden Fall kommt der Text meistens vor der Musik. Die Gründe dafür sind einfach: a) Der Text ist mir wichtig und nicht nur Transportwerkzeug für die Musik (oder gar für stimmliche Akrobatikübungen), und b) ich bin ein relativ schlechter Musiker – das Schreiben beherrsche ich einfach besser. Meine Herangehensweise: 1. Text, 2. Melodie, 3. Begleitung, 4. Details.

Erkenntnis 1: Ich denke, man sollte mit dem Element beginnen, auf das man den größten Wert legt und/oder das einem mehr liegt – sei es nun Text, Melodie, Beat, was auch immer. Freilich schadet es nicht, auch mal einen anderen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil: Das bringt Abwechslung und bewahrt einen davor, immer dasselbe Muster anzuwenden.

Text/Melodie/Lyrische Form

Ich glaube, dass die musikalische Interpretation eines Textes dem Autor recht großen Freiraum lässt. Selbst ein Text ohne perfekte Rhythmik und/oder Reime lässt sich mitunter wunderschön vertonen. Ein ungewöhliches Versmaß, die Kombination mehrerer Versmaße in verschiedenen Abschnitten oder die, übespitzt formuliert, Holprigkeit eines Textes zwingen einen regelrecht dazu, eine geeignete, und damit vemutlich noch nicht von jemand anderem benutzte Melodie zu finden.

Sicher, üblicherweise wird man gut daran tun, ein durchgehendes Versmaß einzuhalten. Aber man muss nicht unbedingt. Und das ist gut so.

Erkenntnis 2: Die Melodie kann Holprigkeiten im Text ausgleichen.

Erkenntnis 3: Einen Text zu vertonen schützt davor, eine bereits bekannte Melodie zu verwenden.

Begleitung

Hier mache ich es mir leicht, denn schwer kann ich es nicht: Ich suche mir die passenden Harmonien bzw. Akkorde auf der Gitarre.

Mir hilft der wohlbekannte Zugang über erste, vierte und fünfte Stufe, also zum Beispiel G, C und D für G-Dur. Mir helfen neben dem offensichtlichen Dur/Moll Akkordvariationen wie Dominantseptakkorde (z.B. G7), Suspended Chords (Sus2, Sus4) und Powerchords, wenns rockig sein soll. Mir hilft es, andere Songs zu analysieren, um zu sehen, welche Akkordwechsel gut funktionieren. Mir hilft es, Spaß am Musizieren zu haben.

Erkenntnis 4: Man muss nicht Musik studiert haben, um Musik zu machen, die von Herzen kommt.

Die Details …

… sind nicht zu unterschätzen. Steht eine Nummer mal auf festen Beinen, wird sie für Hörer erst interessant, wenn sie dynamisch wirkt. Und das tut sie nur, wenn sie es auch ist, wenn sie also Steigerungen, Pausen, Variationen beinhaltet (das gilt natürlich auch für Texte, finden Sie nicht?).

Mein Ansatz für die Details: Mit Menschen spielen, die bessere Musiker sind als ich, und ihre Ideen in die Nummer einfließen lassen. Sicher in der Basis sein (also alles auswendig beherrschen). Jammen, Spaß haben. Hundertmal spielen.

Erkenntnis 5: Sofern man kein musikalisches Genie ist, wird ein Lied erst gut, wenn man andere Musiker einbindet.

Erkenntnis 6: Übung macht wie immer den Meister.

Ihr Lapideus

 

Wie sich Textversionen verwalten und sichern lassen

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Umberto BoccioniLa strada entra nella casa / Die Straße dringt in das Haus [Gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Ich hatte Sie ja gewarnt: Dieses Mal steht ein Nerd-Thema auf dem Programm. Bevor ich aber ins Detail gehe, möchte ich in meiner Eigenschaft als Gelegenheitsfeigling feststellen, dass ich selbst noch beim Erproben dieser meiner Lösung bin, dass ich mich folglich von jeglicher Schuld freispreche, sollten Sie das hier Beschriebene ausprobieren und dabei auf die eine oder andere Weise scheitern.

Auch vorausschicken möchte ich, dass ich im Rahmen meines Ansatzes Dropbox verwende. Sollten Sie ebenfalls Dropbox benützen wollen, weise ich Sie darauf hin, dass Sie in diesem Fall einen Account anlegen müssen. Ich kann nicht dafür garantieren, was die Leute bei Dropbox mit den hochgeladenen Daten machen oder nicht, dazu lesen Sie bitte deren Datenschutzerklärung. Eine Möglichkeit, um Vorsicht walten zu lassen, wäre Verschlüsselung (z.B. über Truecrypt) – diese Variante werde ich hier aber nicht beschreiben, da zu aufwändig.

Und: Ich erhalte von niemandem Geld, weil ich hier verlinke. Sie können natürlich auf jeden beliebigen Anbieter für Online-Datensicherung zurückgreifen, der Ihnen einfällt. Zur Inspiration ein Link auf Wikipedia. Selbiges gilt auch für Texteditoren, Word-Derivate und Sonstiges. Getestet habe ich jedoch nur die Konfiguration, die ich im Folgenden beschreibe.

Dateiensalat

Nun, endlich, zur Sache. Es geht um die Versionierung von Dateien. Man kann, ob sie es glauben oder nicht, zu diesem Thema ganze Bücher füllen. Das werde ich hier nicht tun. Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.

Ich bin Purist. Um meine Texte zu erstellen, verwende ich am liebsten q10, einen Fullscreen-Editor von Joaquín Bernal (um weitere Programme dieser Art zu finden, geben Sie in Ihrer bevorzugten Suchmaschine einfach “full screen text editor” ein). Und ich speichere die dabei entstehenden Dateien im einfachsten aller Formate ab: als Textfile, Codierung UTF-8.

Nicht, dass Word und Co nicht fantastische Dinge könnten. Auch in Bezug auf die Nachvollziehbarkeit von Änderungen. Doch seien wir uns mal ehrlich: das kann man doch zum Schreiben von Prosa einfach nicht brauchen. Im Gegenteil, Programme wie Word mit all ihrem Schnickschnack lenken ab und beeinträchtigen den kreativen Prozess. Zumindest bei mir ist das so.

Zurück zum Thema. Wenn man viel schreibt (dabei ist es egal, ob man nun eine einzige Datei hat oder viele verschiedene) und wenn man darüber hinaus nicht der Meinung ist, dass gleich beim ersten Wurf alles passt und der Text so stehen gelassen werden kann, wie er ist, dann wird die entsprechende Datei einer großen Zahl von Veränderungen unterliegen. Sie werden mehrere Versionen der Datei haben und die Versionen werden sich unterscheiden.

Wenn es Ihnen geht wie mir, und Sie verwerfen die bisherigen Versionen Ihrer Dateien nicht, dann findet sich in einem Verzeichnis Ihres Computers vermutlich so etwas wie:

kapitel_1_v1.txt
kapitel_1_v2.txt

kapitel_5_v4.txt

szene_13_v1.doc
szene_13_v2.doc

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Ich habe ja behauptet, ich würde mich kurz fassen. Daher: Es geht um zwei Dinge, nämlich um Versionierung und Sicherung. Ich zeige nun einen Weg, wie man Übersicht über die Versionen behält und wie man seine Dateien sichern kann.

Die Zauberworte: Versionierungstool und Online-Datensicherung

Der Witz dabei ist, dass Sie Ersteres benutzen, um die Kontrolle zu behalten, und Letzeres, um das Repository (also sozusagen die Datenbank, in der die verschiedenen Textversionen gespeichert sind) in einer sicheren Umgebung abzulegen.

Der zweite Witz dabei ist, dass Sie a) die Dateien lokal im Originalformat haben (und, dank Subversion, sogar in allen Versionen), b) dieselben Dateien in ihrem Repository gesichert haben, sodass Sie auch von anderen Rechnern darauf zugreifen können, wenn Sie wollen und c), dass Ihnen die Online-Sicherung ermöglicht, aus der ganzen Welt auf Ihre Daten zuzugreifen.

Genug der Theorie, nun zur Praxis. Ich erkläre in Kochrezeptformat:

1. Beschaffen Sie sich Subversion (im Folgenden SVN). Ist gratis im Sinne der Apache-Lizenz. Pakete finden Sie auf subversion.apache.org. Ich verwende eine Kommandozeilen-Variante für Windows (Vanilla SVN 1.7.8 von WANdisco), Sie können aber zum Beispiel auch auf Tortoise SVN zurückgreifen, das über die Kontext-Menüs im Windows Explorer arbeitet.

2. Beschaffen Sie sich einen Account bei einem Online-Dienst zur Datensicherung. Ich benutze wie gesagt Dropbox.

3. Wichtig beim vorigen Punkt ist, dass Sie über Ihr Filesystem auf diesen Speicherort zugreifen können. Der Dropbox-Client etwa richtet ein Verzeichnis ein, das in einer Windows-Umgebung etwa “C:\Users\MyUser\Dropbox” heißt. Die Dateien in diesem Verzeichnis werden mit dem Online-Speicherort synchronisiert, sobald Sie online sind. Darüber hinaus stehen die Dateien auch im Offline-Modus zur Verfügung.

4. Erstellen Sie über svnadmin ein repository in Ihrem gesicherten Verzeichnis. Zum Beispiel:

svnadmin create c:\Users\MyUser\Dropbox\svn\MyArtRep

5. Erstellen Sie eine lokale Kopie Ihres Repositories. Zum Beispiel:

mkdir c:\Users\MyUser\MyArt

svn checkout file:///Users/MyUser/Dropbox/svn/MyArtRep c:\Users\MyUser\MyArt

Noch eleganter ist es natürlich, wenn auch die lokale Kopie im Dropbox-Ordner liegt. Also

mkdir c:\Users\MyUser\Dropbox\MyArt

svn checkout file:///Users/MyUser/Dropbox/svn/MyArtRep c:\Users\MyUser\Dropbox\MyArt

Sie tun sich damit nicht weh, denn alle Dropbox-Dateien sind ja lokal/offline verfügbar.

Als Antwort sollten Sie “Checked out revision 0.” erhalten. Beachten Sie bitte, dass Sie auf den (sozusagen entfernten) Speicherort als URL zugreifen müssen – also eben file:///…

Warnung: Ändern Sie nie etwas direkt im Repository (also “C:\Users\MyUser\Dropbox\svn\MyArtRep”), indem Sie Dateien dort antasten. Wenn Sie sich mal hinklicken (bitte ohne etwas zu verändern), werden Sie sehen, dass es dort vier Verzeichnisse gibt: conf, db, hooks und locks. Keine direkte Spur von Ihren Dateien. Ein guter Hinweis darauf, dass man manuell da nichts tun soll. Tun Sie es doch, könnten Sie Daten verlieren. Selbiges gilt für das versteckte Verzeichnis .svn in Ihrer lokalen Kopie. Auch dort bitte nichts anrühren. Änderungen sollten nur in der lokalen Kopie, und da auch nur über svn-Befehle passieren.

Auch zu erwähnen: Die Dateien in Ihrer lokalen Kopie (also z.B. “c:\Users\MyUser\MyArt”) sind nicht per se speziell. Es sind noch immer Textdateien oder doc-Files oder Bilder oder was immer. SVN passt nur auf sie auf. Sie können die Dateien beispielsweise jederzeit von dort in ein anderes Verzeichnis wegkopieren, um einen aktuellen “Abzug” zu erhalten.

6. Die Grundvoraussetzungen sind nun gegeben. Jetzt können Sie ans Arbeiten gehen. Erstellen eine Textdatei und speichern Sie sie in Ihrem lokalen Verzeichnis. Zum Beispiel:

c:\Users\MyUser\MyArt\Beste_Kurzgeschichte.txt

oder

c:\Users\MyUser\Dropbox\MyArt\Beste_Kurzgeschichte.txt

7. Merken Sie die Datei nun für die Versionierung vor. Das heißt soviel wie: Die Datei, die ich dir nun nenne, liebes SVN, soll bitte versioniert werden und beim nächsten Check-in dem Repository hinzugefügt werden. Zum Beispiel:

svn add Beste_Kurzgeschichte.txt

Die Antwort von svn:

A         Beste_Kurzgeschichte.txt

Das “A” bedeutet, die Datei ist vorgemerkt. Würde dort, wenn Sie “svn status -v” ausführen, ein “?” stehen, dann wäre svn die Datei unbekannt, also sozusagen ein Fremdling, der es nichts angeht.

8. Wenn Sie für heute fertig mit der Datei sind, checken Sie sie ein:

svn commit Beste_Kurzgeschichte.txt -m “Erster Check-in”

Der Kommentar, den Sie über den Schalter -m eingeben, lässt sich (leider oder zum Glück, wie man es nimmt) nicht verhindern. SVN ist da recht streng.

9. Glückwunsch, Sie haben nun eine versionierte Datei. Über

svn status -v

sehen Sie die aktuelle Version der Datei, über

svn log Beste_Kurzgeschichte.txt

sehen Sie, was Sie bis jetzt mit ihr angestellt haben.

10. Neuer Tag, neue Ideen. Sie öffnen die lokale Datei, ändern was in den ersten drei Sätzen, nehmen etwas raus, was eine Ihrer Figuren gestern noch gesagt hat, Ihnen aber heute zu blöd erscheint, und setzen den Text weiter fort. Sie speichern ab.

Nun hat sich Ihre Datei natürlich verändert.

svn status

oder

svn status -v

zeigt Ihnen bei der betreffenden Datei nun ein großes “M” für “Modified”.

11. Machen Sie wieder ein check-in:

svn ci -m “Beste Kurzgeschichte geändert, Susanne ist nun zurückhaltender”

“ci” ist das Kürzel für den Langbefehl “commit”.

12. Der Befehl

svn status -v

zeigt nun kein “M” mehr, dafür eine um höhere Versionsnummer.

13. Der Befehl

svn log Beste_Kurzgeschichte.txt

zeigt Ihnen wieder, was Sie mit der Datei bis jetzt getan haben.

14. Und

svn diff -r 1 Beste_Kurzgeschichte

gibt an, was Sie im Vergleich zur ersten Version tatsächlich geändert haben. Das funktioniert natürlich nur mit Dateien, die SVN auch lesen kann. Bei Word-Dateien, die zwar auch von SVN versioniert werden können, funktioniert das nicht ganz so – hier kann Tortoise SVN helfen, das bei diff Word öffnet, in dem die zu vergleichenden Versionen im Compare-Modus angezeigt werden.

15. Die Kommandos

svn help

bzw.

svn help [Befehl]

bringen die eine oder andere Erleuchtung.

An dieser Stelle breche ich das Rezept ab, es würde sonst zu weit führen.

Ein paar Dinge möchte ich Ihnen noch nahelegen: Auch wenn es vielleicht nicht so aussehen mag, so habe ich Ihnen in dieser Beschreibung doch nur auf rudimentärer Basis gezeigt, was man mit SVN alles tun kann. SVN ist eigentlich dazu da, die Arbeit von mehreren Menschen an ein und demselben Ding/Projekt zu ermöglichen.

Sollten Sie diese Funktionalität nutzen, indem Sie zum Beispiel mehrere lokale Kopien auf verschiedenen Rechnern haben (die dann wohl nicht im Dropbox-Ordner liegen), dann wird die Sache komplizierter. Dann müssen Sie “svn update” benutzen, um die Dateien in der einen lokalen Kopie auf den (neuesten) Stand zu bringen, den sie in der anderen erzeugt und via “commit” hochgeladen haben. Sollten sich Schiefstände ergeben, weil Sie sowohl hier als auch dort geändert haben, entweder der Vergesslichkeit wegen, oder weil Sie vielleicht zu zweit arbeiten, so können Sie über “svn diff” herausfinden, wie sich die Versionen unterscheiden. Über “svn merge” lassen sich diese Schiefstände dann beheben.

Zusammenfassung

In diesem Artikel habe ich Ihnen eine Möglichkeit gezeigt, Dateien gleichzeitig zu versionieren und online zu sichern. Und das auf recht elegante Weise, wie ich finde. (Der Ehrlichkeit halber sei gesagt: Ich bin nicht der erste, der diese Idee hatte. Suchen Sie im Netz nach “svn dropbox”, um weitere Artikel zu dem Thema zu finden.)

Sollten Sie sich intensiver für SVN interessieren, so lesen Sie bitte das sehr ausführliche SVN-Buch.

Und jetzt mach ich Schluss. Trotz des Sichkurzfassens ist der Artikel ja doch ziemlich lang geraten. Sollten Sie Fragen haben, so schreiben Sie mir bitte – ich werde mich bemühen, sie zu beantworten.

Ihr Lapideus

ps: Wenn Sie sich daran stoßen, dass ich in meinen Artikeln Bilder benutze, die nicht immer etwas mit dem Text zu tun haben, dann bitte ich um Verzeihung. Es ist nur einfach so: Ich liebe expressionistische Malerei und vergöttere die Künstler, die sie erschaffen / erschaffen haben. Punkt.

Der nächste (kürzere, versprochen) Artikel erscheint am Mittwoch, dem 24.4.2013 um 7:15 und beschäftigt sich mit [Vorschläge bitte eintragen].

 

Der Vorleser

Der folgende Artikel wurde bereits auf dem Blog Astrodicticum Simplex veröffentlicht. Ich habe mich dazu entschlossen, ihn zu überarbeiten und noch einmal auf meiner eigenen Seite zu posten, weil ich das Thema gut und wichtig finde. Außerdem finden sich in der ersten Version ein paar Schwächen – vermutlich hatte ich mir den Text nicht oft genug vorgelesen.

Ich gebe zu: Ich mag es, anderen vorzulesen. Das habe ich schon in der Schule gern getan. Das Vorlesen von Texten war eine der wenigen Aufgaben im Deutschunterricht, zu denen ich mich immer freiwillig meldete.

Meine Mitschüler waren allerdings kein besonders gutes Publikum (Sorry, Leute!). Meine beiden Söhne hingegen sind da schon um einiges dankbarer. Der ältere liebt seine Bilderbücher über alles und kann sie gar nicht oft genug vorgelesen bekommen. Einige davon werde ich wohl noch in ein paar Jahren fehlerlos rezitieren können.

Franz Marc - Der tote Spatz

Rudolf Ernst (1854-1932) – Die Vorleserin
[Public Domain] via Wikimedia Commons

Und nun verrate ich Ihnen ein kleines Geheimnis: Auch meiner Frau lese ich vor. Jeden Abend, und das schon seit vielen Jahren. Ich weiß nicht, wie viele Bücher ich ihr bereits vorgetragen habe. Es müssen wohl einige Dutzend sein.

Aber wie gesagt: Ich tu es gern. Es macht mir Spaß.

Textmelodie

Aber warum ist das so?

Natürlich weil es eine wunderbare soziale Interaktion ist. Doch das ist nicht der einzige Grund. Es geht auch um die Melodie eines Textes. Um seinen Rhythmus. Beides kommt durch lautes Vorlesen so richtig zur Geltung. Der Text wird so zu einem noch intensiveren Erlebnis.

Man ist plötzlich Schauspieler – man spricht Dialoge, als würde man auf der Bühne stehen oder vor einer Kamera. Die Figuren werden lebendiger, der Text erhält eine neue Dimension.

Eigene Texte verbessern

Vorlesen macht aber nicht nur Spaß, es ist auch nützlich. Es kann dazu dienen, die Qualität der eigenen Texte zu erhöhen.

Falls Sie diese Methode noch nicht kennen, schlage ich Ihnen ein Experiment vor: Schreiben Sie einen Text. Überarbeiten Sie ihn, bis er Ihnen stimmig erscheint, und dann lesen Sie ihn. Lesen Sie ihn gründlich.

Zufrieden damit? Gut!

Und jetzt lesen Sie ihn sich selbst laut vor.

Fertig? Dann mal ehrlich: Wie oft sind Sie irgendwo gestolpert, als ob der Text an dieser Stelle ein Schlagloch hätte? Wie oft hatten Sie das Gefühl, dass zwei Sätze sich in ihrem Rhythmus, in ihrer Melodie zu ähnlich sind? Wie oft hatten Sie das Gefühl, dass ein Absatz plötzlich nicht mehr homogen wirkt?

Öfter, als Sie es für möglich gehalten hatten, oder?

Ein wichtiges Werkzeug

Das laute Vorlesen meiner eigenen Texte ist für mich ein unverzichtbares Werkzeug geworden. Ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie viele Fehler/Schlaglöcher/hässliche Melodien ich finde, obwohl ich bereits der festen Überzeugung war, dass der Text in Ordnung sei.

Die Methode lässt sich übrigens auf jede Art von Text anwenden. Es macht keinen Unterschied, ob es sich um eine Kurzgeschichte, einen Zeitungsartikel oder eine wissenschaftliche Publikation handelt.

Oder um ein Posting wie dieses hier.

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am 20.2.2013.

 

Mutter und Vater

Liebe Leute, es ist passiert. Ich habe es nicht geschafft, für heute einen Artikel vorzubereiten.

Als kleine Entschädigung möchte ich mit Ihnen jenen Text teilen, den meine Frau und ich in der Geburtsanzeige für unseren zweiten Sohn verwenden. Ich hoffe er gefällt Ihnen!

Sollten Sie auch einmal in die wunderbare Situation kommen, einen Text für eine Geburtsanzeige zu benötigen, können Sie ihn selbstverständlich verwenden. Es wäre mir eine Ehre!

Glücklich, erschöpft, ratlos, wachsam, gestresst, liebevoll, gereizt, entspannt, langsam, aus dem Häuschen, unpünktlich, froh, erwartungsvoll, wütend, frei, erleichtert, fröhlich, chaotisch, ängstlich, zweifelnd, wach, koffeinsüchtig, gerührt, stark, dankbar, kämpferisch, hoffnungsvoll, demütig, zufrieden, stolz, müde, rastlos, kindisch, lustig, Mutter und Vater.

All das waren wir.
All das sind wir.
All das werden wir sein.
Deinetwegen.
Dafür lieben wir dich.
Denn du bist unser Kind.

Ihr Lapideus

Der nächste reguläre Artikel erscheint am 5.12.2012.