Fehler raus!

Ich bin ein bisschen eigen, was die Qualität meiner Texte betrifft. Und mit Qualität meine ich an dieser Stelle nicht Inhalt oder Stil oder den künstlerischen Anspruch – ich meine ganz einfach Rechtschreibung und Grammatik.

Warum ich darin eigen bin? Weil ich es zum Beispiel nicht aushalte, ja sogar als peinlich empfinde, wenn sich in meinem 11.000 Wörter beinhaltenden E-Book der Satz “Noch eine Kunde, der nicht wiederkommen wird.” findet. Ist in diesem Fall nur ein Tippfehler. Doch auch der ärgert mich ohne Ende.

Noch viel mehr ärgern würde mich, im bereits veröffentlichten Werk einen echten Rechtschreibfehler zu finden. Oder eine grammatikalische Unsauberkeit. Oder eine Wendung, die in der benutzten Form auch beim besten Willen nicht mit künstlerischer Freiheit zu rechtfertigen wäre.

Solche echten Fauxpas begeht man Gott sei Dank nicht sehr oft – aber die, die sich einschleichen, müssen raus aus dem Text. Das verlangen Stolz, Handwerk und natürlich der geneigte Leser.

Hier drei Webseiten, die weiterhelfen können, wenn das Fehlerteufelchen an die Tür klopft:

canoonet

Was soll ich sagen? Die Seite ist unfassbar gut. canoonet definiert sich selbst als Online-Sprachservice. Die Einstiegsmaske zeigt ein Feld zur Begriffssuche, man kann aber auch direkt zu Rechtschreibung, Wortgrammatik, Satzgrammatik, etc. springen.

Hat man den gesuchten Begriff eingegeben und abgefeuert, so erscheint eine Übersicht über alle Themen, die in Bezug auf diesen Begriff zur Verfügung stehen.

Ich kann und will hier nicht auf alle Details eingehen, aber ich kann Ihnen sagen,  welche Funktionen der Seite ich gerne frequentiere:

  1. Rechtschreibung / Neue Rechtschreibung | Nehmen wir einen (fast) beliebigen Begriff als Beispiel: “spazierengehen”. Wenn Sie, so wie ich, auch noch ein wenig in der alten Rechtschreibung verhaftet sind, wird Ihnen das vielleicht gar nicht so falsch vorkommen. Ist es aber freilich. Geben sie es ein, wählen Sie aus der Zusammenfassung “Rechtschreibung” und überzeugen Sie sich selbst. Schnell, gut und viel Info, oder?
  2. Wortformen | Sie würden vielleicht gerne überprüfen, ob der Konjunktiv I Präsens 1. Person Singular von “segeln” stimmt, so wie Sie ihn im Kopf haben? Eingeben, “Wortformen” anklicken.
  3. Satzzeichen | Ja, ich muss manchmal nachschlagen. Kein weiterer Komm(a)entar.

Erforschen Sie canoonet, es lohnt sich!

DWDS

Auch DWDS hat großen Beifall verdient. Es handelt sich um ein Wörterbuch mit angeschlossenen Textkorpora. Es ist ein ausgewiesenes Ziel der Seite, die möglichen Verwendungen von Wörtern in großem Umfang darzustellen.

Ich will gar nicht lange um den heißen Brei herumreden: Geben Sie auf der Seite mal einfache Wörter wie “empfangen” oder “schnell” ein. Sie werden sehen, die Ergebnisse sind beeindruckend. Sie erhalten zahlreiche Beispiele für diese Wörter, wobei selbst auf literarische Quellen Bezug genommen wird.

In den Korpora rechts sind dann noch weitere Beispiele angeführt. Sich auf der Seite zu registrieren hat übrigens Sinn: Die Korpora werden dadurch faktisch freigeschaltet, die Anzahl der erreichbaren Treffer steigt enorm.

Wenn Sie sich also über die Verwendung eines Wortes nicht so ganz im Klaren sind, ist DWDS die richtige Anlaufstelle.

Google Books

Ich weiß, ich weiß! Aber ist es Ihnen denn noch nie passiert, dass Sie sich nicht sicher waren, ob eine bestimmte Wendung, die Sie in Ihrem Text gebrauchen, so auch wirklich stehen gelassen werden kann?

Also mir schon.

Und wenn ich bei DWDS nicht schlau werde, dann tu ich es: Ich gehe auf Google Books, gebe die betreffende Stelle – eingekeilt von Anführungszeichen – in das Suchfeld ein und drücke auf Enter. Das Ergebnis: Bücher anderer Autoren, die diese Wendung ebenfalls benutzt haben.

Wenn Thomas Mann in der Trefferliste aufscheint, ist man auf jeden Fall schon mal in guter Gesellschaft. Wenn nur unbekannte Fantasy-Autoren angezeigt werden, sollte man vielleicht noch einmal darüber nachdenken, ob man es nicht besser formulieren kann.

Ich gebe aber zu: Im Sinne der künstlerischen Eigenständigkeit sollte man sich dieser letzteren Methode wahrscheinlich nicht allzu häufig bedienen.

Zwei Anmerkungen noch:

  • Diese Tools sind wunderbarerweise (noch?) gratis. Toll, super und solange es so bleibt ein großes Danke dafür!
  • Ich sage Ihnen vermutlich nichts Neues, aber vergessen Sie in jedem Fall die automatische Rechtschreibprüfung diverser Textverarbeitungsprogramme. Die taugen bestenfalls zur oberflächlichen Qualitätskontrolle. Geben Sie einmal den Satz “So weit wollte er nicht gehen, solang nicht marschieren. Doch es wahr Winter: Er würde Frieren.” in so einem Programm ein und staunen Sie darüber, was als Fehler und was nicht als Fehler markiert wird.

Ich würde mich wie immer über Ihr Feedback freuen! Selbst dann, wenn Sie in diesem Text einen oder mehrere Fehler fänden.

Ihr Lapideus

 

4 thoughts on “Fehler raus!

  1. Gian

    Hallo Lapideus

    Interessanter Artikel! Das mit Google Books ist mir völlig neu, danke für den Tipp.

    Ich persönlich habe bei mir die Duden Rechtschreibeprüfung installiert. Die kostet keine 20 Euro und ersetzt die von Windows Office – der kann man nämlich nicht trauen 🙂 Seit ich in der Schule war, hat die Rechtschreibereform gefühlte 5-mal geändert. Ich bin froh gleich direkt im Word vom Duden begleitet zu werden.

    Momentan sollte ich mich durch ein Manuskript von 540 Seiten würgen und die Fehlerhexe jagen, doch ich mag irgendwie nicht… Außerdem komme ich vor lauter bloggen nicht dazu.

    Es gibt momentan so viele selbstverlegte E-Books, die mehr Fehler als Seiten haben. Nur durch eine einzige schlechte Bewertung kann man sich sogleich den Ruf ruinieren. Fehler raus, ich stimme dir zu – und wenn man dazu in ein Lektorat, mindestens aber ein Korrektorat investiert muss – langfristig wird es sich auszahlen.

    Mach weiter so.

    Gian

    PS: Planst du deine Kurzgeschichten oder schreibst du drauflos?

    Reply
    1. Lapideus Post author

      Hallo Gian!

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Freue mich sehr darüber!

      Dem Thema “Automatische Rechtschreibkontrolle” stehe ich prinzipiell ein wenig skeptisch gegenüber. Ich trau den Dingern einfach nicht. Klingt vielleicht ein bissl hochmütig, aber da ich mir mein Geld in der IT verdiene, glaube ich, ein Gefühl dafür zu haben, was so ein Tool überhaupt können kann und was nicht. Und bei allem was kontextorientiert ist, wo es also vom Kontext abhängt, welches Wort/welche Schreibung gemeint ist und welche(s) nicht, müsste die Kontrolle schon recht intelligent sein, um richtig zu entscheiden. An die automatische Grammatikkontrolle glaub ich sowieso erst, wenn asimov’sche Roboter mit Positronengehirnen über die Erde spazieren 🙂

      Würde mich aber interessieren, was dein Duden-Tool mit dem Satz anfängt, den ich erwähnt habe: “So weit wollte er nicht gehen, solang nicht marschieren. Doch es wahr Winter: Er würde Frieren.”

      Ad selbstverlegte eBooks mit vielen Fehlern: Stimme zu. Da gibt es ganz fürchterliche Texte. Und einigen Autoren scheint das auch gar nicht so viel auszumachen. Doch ich bin mir auch nicht mehr ganz sicher, ob mangelnde Rechtschreibung die Lesermeinung wirklich so stark beeinflusst, wie wir es befürchten.

      Zum Planen von Kurzgeschichten: Unterschiedlich. Je mehr Struktur ein Text braucht, umso mehr plane ich. “Der Trip” war vorm Schreiben schon eher fertiggedacht, “Ebene 3” ist drauflosschreibend gewachsen.

      Ich mach gern weiter so und hoffentlich mehr!

      An den Drittleser: Besuchen Sie http://www.schreibplattform.de!

      Liebe Grüße,
      Bruno

      Reply
      1. Gian

        Hallo Bruno

        Gleich vorweg: Mein Duden-Tool 🙂 würde in deinem Satz gerne “Frieren” klein und “wahr” ohne H schreiben.

        Aber ich muss da gleich mit einem Missverständnis aufräumen. Ich benutze die Duden Rechtschreibeprüfung nicht, um damit ein Korrektorat zu ersetzen. Es hilft mir dabei nomale (solche) Rechtschreibefehler besser zu entdecken. Zudem gibt es Wörter, bei denen bin ich schlicht und ergreifen überfragt, wie man sie nun schreibt (zusammen, auseinander, f oder ph, etc.). Der “normalen” Rechtschreibehilfe von Microsoft kann man dabei nicht trauen. Dort wusste ich nie, ob ich oder das Programm spinnt. Also hab ich mir dann den Duden geschnappt.
        Mit der Duden Rechtschreibeprüfung hab ich nun alles in einem. Orthographisch hab ich bestimmt noch immer meine Mängel – allerdings seh ich dank dem Duden (auch in solchen Kommentaren, wie diesem hier gerade) nicht wie der letzte Depp aus, weil alles voller Rechtschreibe-/Flüchtigkeitsfehler ist.

        Hugh, ich habe gesprochen 🙂

        Liebe Grüße

        Gian

        Reply
        1. Lapideus Post author

          Hallo Gian,

          danke für den Test! Word tut sich eben auch bei “So weit” und “solang” schwer. Ersteres regt ihn auf, obwohl korrekt, das andere ignoriert er völlig, obwohl natürlich “so lang” gemeint ist. Geb dir also völlig recht: Bei Zusammen/Getrenntschreibung ist der Standardrechtschreibkontrolle von Word nicht zu trauen, da (unter anderem) kontextabhängig.

          Gut zu wissen, dass es Tools gibt, die ein wenig verlässlicher sind – obwohl ich wie gesagt glaube, dass keines wirklich funktioniert, wenn die richtige Schreibweise nur im Kontext gewählt werden kann.

          Liebe Grüße,
          Bruno

          Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *