Fortsetzung folgt?

Christian Neumann, der mir bereits vor einigen Wochen in einem Interview Rede und Antwort stand, stellt in diesem Gastartikel seine Ideen für künftige Projekte vor. Und er beschreibt vertraute Probleme: Zeit als ewiger Engpass und die Notwendigkeit der Selektion.

Zwei Bücher geschrieben. Im Eigenverlag veröffentlicht. Jeweils dreistellige Käufer- und Leserzahlen, viel positives Feedback.

Doch was nun?

Das Schreiben ist natürlich immer noch „nur“ ein Hobby, aber die Ansprüche sind inzwischen gestiegen. Nicht die literarischen, weil ich sowieso nur so schreiben kann, wie mir das Hirn gewachsen ist. Und die vielen positiven Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass mein Stil bei ausreichend vielen Leuten so gut ankommt, dass ich mir diesbezüglich keine großen Gedanken machen muss. Immerhin bekomme ich aus irgendeinem Grund nicht nur den Pfarrer, sondern sogar den Erdäpfelbauern authentisch hin.

Kartoffelernte

Max Liebermann (1847-1935) – Kartoffelernte
[Public Domain] via Wikimedia Commons

Die gestiegenen Ansprüche betreffen vielmehr die Zeit. Die Zeit ist wohl für die meisten Hobby- und Nebenerwerbsautoren die knappste Ressource. Bei jedem Buchprojekt kommt früher oder später die Phase, wo man viel Zeit investieren muss, um aus einer guten Idee ein Werk zu schaffen, das auch veröffentlicht werden kann. Dann ist es nicht mehr nur Spaß, sondern eine zeitlang auch richtig Arbeit. Ein notwendiges Übel, das ich bei einem Hobby nur in Kauf nehmen will, wenn ich nachher auch etwas davon habe.

Meine größte Motivation besteht dann in der Aussicht, dass ich die Freude, die ich beim Schreiben habe, mit anderen teilen kann. Das heißt aber auch, dass ich den Schritt vom vagen Projekt zur intensiven Umsetzung nur mehr gehen möchte, wenn die Aussicht auf Fertigstellung halbwegs hoch ist.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich für mich die eingangs gestellte Frage: Was nun?

Kein Ideenmangel

Zur Auswahl gäbe es zunächst den spannenden Krimi rund um Kommissar Strohzagl, der im Kleinkunstmillieu von Schleimstätten angesiedelt wäre. Ein Vorteil wäre die vertraute Umgebung der ersten beiden Bücher und der im Grunde schon fertige Plot. Aber einen spannenden Krimi zu schreiben, ist alles andere als banal – ein Krimi braucht Struktur und sehr viel Liebe zum Detail. Diesbezüglich sind meine Ansprüche schon als Leser ziemlich hoch.

Dann gäbe es den (mindestens) dreiteiligen Fantasyschinken mit Prinz Frederick in der Hauptrolle, Arbeitstitel „Thingum“. Das wäre ein herrlicher Abenteuerspielplatz voll abstruser Handlungsfäden. Jedoch: Eine im Fantasy-Genre übliche Menge an Text zu Papier zu bringen benötigt äußerst viel Zeit. Ich bezweifle, dass selbst ein volles Jahr Urlaub für die Umsetzung ausreichen würde.

Oder wie wäre es mit Ftzgrm, dem Sockenzauberer? Der Text zu diesem Kinderbuch ist immerhin schon zu zwei Dritteln fertig. Da wir gerade sehr sehr sehr viele Kinderbücher lesen, fällt die Umsetzung hier etwas leichter als bei den anderen Projekten. Auch wenn bei einem Kinderbuch die Illustrationen nicht zu kurz kommen dürfen, wo ich definitiv auf fremde Hilfe angewiesen bin, bin ich zuversichtlich, dass der Sockenzauberer sein Buch irgendwann bekommen wird. Ich hoffe nur, dass mein Sohn zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind ist. Notfalls kann er das Buch auch gemeinsam mit mir fertig schreiben …

Schließlich könnte ich mich auch der Beschreibung der politisch hochbrisanten Vorgänge in Großpoppen im Waldviertel (Niederösterreich) widmen. Das würde medial selbst Braunschlag weit in den Schatten stellen, könnte mir aber aufgrund der oben erwähnten Brisanz und meiner unten erwähnten Arbeitsstelle Probleme bereiten, an die ich gar nicht zu denken wage! Haus und Hof kosten! Kopf und vielleicht sogar Kragen! Und das wäre erst der Anfang! Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, für die Kunst ein solches Risiko einzugehen …

Bis zur Konkretisierung des einen oder anderen Projektes – oder der plötzlichen Inspiration zu einem neuen, ganz anderen Thema – arbeite ich an einem medizinischen Fachbuch mit. Das ist zwar nicht ganz so kreativ, hat aber auch seine Vorteile: Erstens finde ich das Thema sehr interessant, zweitens wird das Buch meinen Anspruch auf Fertigstellung sicher erfüllen, und drittens kann ich durch die Beschäftigung mit einem Fachthema sozusagen meine kreativen Batterien aufladen.

Was die schöne Prosa betrifft, ist für mich wenigstens eines keine Frage: Fortsetzung folgt!

Christian Neumann

Christian Neumann (Jahrgang 1974) hat Statistik studiert und übt seinen Beruf im niederösterreichischen Landesdienst aus. Er ist verheiratet, hat ein Kind und folgt damit dem statistischen Trend.

Furunkel im Darm” und “Lagerkoller” von Michel Fleck und Christian Neumann sind im Eigenverlag erschienen. Weitere Informationen finden Sie auf www.lagerkoller.at.

Der nächste Artikel erscheint nächste Woche, und zwar am 27.2.2013.

 

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