Keine Zeit

Uhr im Spremberger Turm

Bildnachweis: Benjamin (CC BY ND 2.0)

Ich habe keine Zeit. Sie verschließt sich mir, wie eine Blüte, die die Sonne nicht wahrhaben will. Wie ein Buch, das in einer unbekannten Sprache geschrieben ist. Wie ein Kind, dem man Gemüse vorsetzt.

Und doch möchte ich schreiben.

Es geht nicht immer. Man ist verpflichtet, und nicht nur das. Man will ja da sein, für seine Familie; für seine Arbeit, die das tägliche Brot bedeutet. Kunst braucht Leben, das Leben aber keine Kunst.

Und doch möchte ich schreiben.

Sich Zeit zu nehmen, das ist schwierig. Viele sagen, dass sie das täten. Einfach so. Sich verschaffen, was einem zusteht.

Ich glaube, dass sie lügen: Zeit nimmt man sich nicht. Man hat sie auch nicht. Man arbeitet mit den Resten. Mit dem, was einem zugeworfen wird.

Und so schreibe ich im Zug, wo das Leben an einem vorbeirauscht und doch für ein paar Minuten stillsteht.

Und so schreibe ich in der Nacht, wenn alle, die mir etwas bedeuten, tief und fest schlafen.

Und so schreibe ich, wenn ich mal Pause mache.

Ich habe keine Zeit.

Doch die Zeit hat mich auch noch nicht.

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am 19.12.2012.

 

2 thoughts on “Keine Zeit

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