Tag Archives: Lied

Musikalische Erkenntnisse

In den letzten drei Monaten habe ich einige Lieder geschrieben, weitere sind in Arbeit. Nicht zuletzt deswegen, weil meine anderen Schreibprojekte aufgrund mangelnder Zeit eingefroren sind. Und ehrlich: Ich habe beim Schreiben schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt wie bei diesen Songs.

Der Grund für den Spaß: Ich habe mich mit verschiedenen Themen zu befassen. Ich will gut texten, eine Geschichte erzählen, Gefühle hervorrufen, muss dabei jedoch kurz und pointiert formulieren. Ich muss mich wieder einmal mit lyrischen Formen auseinandersetzen, darf darüber aber die Musik nicht vergessen. Und ich muss Melodie, Taktart und Begleitung (er)finden.

Hier ein kurzer Überblick über meine Erkenntnisse.

Was zuerst – Text oder Melodie?

Ich habe zu wenige Musikerbiographien gelesen, um wirklich zu wissen, wie andere das machen. Von meiner absoluten Lieblingsband “Genesis” (bin Fan der frühen Phase mit Gabriel und Hackett) weiß ich, dass die Musik häufig bereits im Kasten war, bevor getextet wurde. Wer die Musik von Genesis kennt, wird allerdings wissen, dass sie mitunter sehr komplex ist – also ganz im Gegenteil zu dem, was ich so produziere.

Bei mir auf jeden Fall kommt der Text meistens vor der Musik. Die Gründe dafür sind einfach: a) Der Text ist mir wichtig und nicht nur Transportwerkzeug für die Musik (oder gar für stimmliche Akrobatikübungen), und b) ich bin ein relativ schlechter Musiker – das Schreiben beherrsche ich einfach besser. Meine Herangehensweise: 1. Text, 2. Melodie, 3. Begleitung, 4. Details.

Erkenntnis 1: Ich denke, man sollte mit dem Element beginnen, auf das man den größten Wert legt und/oder das einem mehr liegt – sei es nun Text, Melodie, Beat, was auch immer. Freilich schadet es nicht, auch mal einen anderen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil: Das bringt Abwechslung und bewahrt einen davor, immer dasselbe Muster anzuwenden.

Text/Melodie/Lyrische Form

Ich glaube, dass die musikalische Interpretation eines Textes dem Autor recht großen Freiraum lässt. Selbst ein Text ohne perfekte Rhythmik und/oder Reime lässt sich mitunter wunderschön vertonen. Ein ungewöhliches Versmaß, die Kombination mehrerer Versmaße in verschiedenen Abschnitten oder die, übespitzt formuliert, Holprigkeit eines Textes zwingen einen regelrecht dazu, eine geeignete, und damit vemutlich noch nicht von jemand anderem benutzte Melodie zu finden.

Sicher, üblicherweise wird man gut daran tun, ein durchgehendes Versmaß einzuhalten. Aber man muss nicht unbedingt. Und das ist gut so.

Erkenntnis 2: Die Melodie kann Holprigkeiten im Text ausgleichen.

Erkenntnis 3: Einen Text zu vertonen schützt davor, eine bereits bekannte Melodie zu verwenden.

Begleitung

Hier mache ich es mir leicht, denn schwer kann ich es nicht: Ich suche mir die passenden Harmonien bzw. Akkorde auf der Gitarre.

Mir hilft der wohlbekannte Zugang über erste, vierte und fünfte Stufe, also zum Beispiel G, C und D für G-Dur. Mir helfen neben dem offensichtlichen Dur/Moll Akkordvariationen wie Dominantseptakkorde (z.B. G7), Suspended Chords (Sus2, Sus4) und Powerchords, wenns rockig sein soll. Mir hilft es, andere Songs zu analysieren, um zu sehen, welche Akkordwechsel gut funktionieren. Mir hilft es, Spaß am Musizieren zu haben.

Erkenntnis 4: Man muss nicht Musik studiert haben, um Musik zu machen, die von Herzen kommt.

Die Details …

… sind nicht zu unterschätzen. Steht eine Nummer mal auf festen Beinen, wird sie für Hörer erst interessant, wenn sie dynamisch wirkt. Und das tut sie nur, wenn sie es auch ist, wenn sie also Steigerungen, Pausen, Variationen beinhaltet (das gilt natürlich auch für Texte, finden Sie nicht?).

Mein Ansatz für die Details: Mit Menschen spielen, die bessere Musiker sind als ich, und ihre Ideen in die Nummer einfließen lassen. Sicher in der Basis sein (also alles auswendig beherrschen). Jammen, Spaß haben. Hundertmal spielen.

Erkenntnis 5: Sofern man kein musikalisches Genie ist, wird ein Lied erst gut, wenn man andere Musiker einbindet.

Erkenntnis 6: Übung macht wie immer den Meister.

Ihr Lapideus