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Fragebogen “Veganismus”

Um zu erfahren, was die Menschen, die ich in regelmäßigen Zeitabständen mit der veganen Lebensweise konfrontiere, über dieses Thema denken, habe ich kürzlich einen Fragebogen entworfen und eben jene Menschen gebeten, die Fragen darin zu beantworten.

Da Survey Monkey Geld dafür verlangt, um die Grafiken zu exportieren, seien die Ergebnisse an dieser Stelle textuell wiedergegeben und ein Link zu den grafisch dargestellten Daten angeführt: Survey Monkey

Vorweg: Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels betrug die Anzahl der Teilnehmer_innen 45 (n=45). Die Umfrage war anonym, die Teilnehmer_innen speisen sich aus meinem doch recht breit gestreuten Facebook-Umfeld.

Ich habe mich bemüht, die Fragen derart zu formulieren, dass sie der derzeitigen Konstruktion von “Wirklichkeit” entsprechen (mit ein wenig Jacues Derrida und Judith Butler im Hinterkopf). Fleischesser_innen sollten sich – so das Ziel – möglichst wenig vor den Kopf gestoßen fühlen. Um Veganer_innen und Vegetarier_innen habe ich mir keine Sorgen gemacht – so wie Butler in Bezug auf die Konstruktion von Sex und Gender meint, Kritik speise sich nicht aus einem utopischen Ort jenseits bestehender Diskurse und Äußerungen, sondern sei darauf angewiesen, Bestehendes zu verwenden [(1)], so gehe ich davon aus, dass das auch auf den Diskurs um vegane Lebensweise zutrifft.

Prozentuelle Angaben in diesem Text sind zwecks Übersichtlichkeit auf ganze Zahlen gerundet, was zu Fehlern in der Summe führen kann. Sollte ich als der Laie, der ich auf dem Gebiet des soziologischen Fragens bin, übliche Standards nicht erreicht haben, so bitte ich dies zu verzeihen. Sinn des Fragebogens war und ist die Befriedigung meiner eigenen Neugier – ich erhebe in diesem Falls also keinen allzu hohen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.

Die Ergebnisse

Die Frage, ob das Thema „Vegane Lebensweise“ interessiert, beantworten ähnlich viele Teilnehmer_innen mit „stimme sehr zu“, „stimme eher zu“, „stimme eher nicht zu“ und „stimme nicht zu“ (24%/27%/29%/20%). Bei der Frage, ob das Thema nerve, zeigt sich eine Tendenz zu „stimme eher nicht zu“ und „stimme nicht zu“ (7%/12%/17%/63%). Noch stärker wird die Tendenz bei der Frage, ob das Thema ärgere – das scheint auf die Mehrheit nicht zuzutreffen (7%/12%/17%/63%).

Interessant, dass eine große Mehrheit (86%) meint, der Unterschied zwischen „Vegetarismus“ und „Veganismus“ sei ein wesentlicher. Für unwesentlich halten ihn 7%, weitere 7% gaben andere Antworten:

„Veganismus ist beschissen!“
„Die Unterscheidung zwischen Vegetarismus und Veganismus ist mal so – mal so. Kommt auf den Blickwinkel an.“
„Die Unterscheidung zwischen Vegetarismus und Veganismus ist idealistisch.“

Die Mehrheit der Teilnehmer_innen sieht bei veganer Lebensweise den Tierschutzgedanken im Vordergrund (70%). Etwa 9% sehen den gesundheitlichen Aspekt vorne, weitere 21% geben abweichende Antworten:

Bei veganer Lebensweise sehe ich … „beides.“ (Gesundheitsaspekt und Tierschutzgedanken, Anm.; zweimal)
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „ökologische Aspekte.“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „den Faktor ‚in Mode‘ im Vordergrund.“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „den Sinn dahinter nicht.“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „einen Trend.“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „Umweltschutz (cowspiracy).“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „die Tötung der Pflanzen als Problem an.“
Bei veganer Lebensweise sehe ich … „Gesundheit, Tierschutz, Umweltschutz.“

Ob sie vegane Ernährung für gesund oder ungesund halten, beantworten nur 33 der 45 befragten Personen. 58% meinen, sich vegan zu ernähren sei gesund, 42% sind gegenteiliger Ansicht. 14 Teilnehmer_innen kommentieren diese Frage:

„Abhängig von der Umsetzung.“
Ich halte vegane Ernährung für … „schwierig, aber richtig.“
„Wenn man sich nicht ausreichend auskennt.“ (Anm.: Vermutlich wurde mit „ungesund“ geantwortet)
Ich halte vegane Ernährung für … „nicht ausgeglichen.“
„Kommt auf die tatsächliche Ernährungswissenschaft an.“
„Kommt darauf an ob man sich gesund ernährt oder nur von veganer Schokolade ;).“
Ich halte vegane Ernährung für … „kompliziert.“
Ich halte vegane Ernährung für … „von Veganern gesunder empfunden, als die Wissenschaft beweist …“
Ich halte vegane Ernährung für … „übertrieben.“
Ich halte vegane Ernährung für … „teils – teils. Eigentlich schon gesund, jedoch fehlen einem eventuell auch wichtige Nährstoffe. Und vegane Fertiggerichte sind genauso ungesund wie normale.“
Ich halte vegane Ernährung für … „unausgewogen/einseitig.“
Ich halte vegane Ernährung für … „selbstbestimmt.“
„Es kann gesund sein, wenn man genau weiss, was man tut.“
„Solange das mit dem Sojaanbau stimmt (der Großteil wird für die Tierhaltung gepflanzt).“ (Anm.: Antwort kann aus dem Kommentar nicht abgeleitet werden.)

61% meinen, eine vegane Lebensweise sei gut für die Umwelt. 11% meinen, dem sei nicht so, und 27% geben eine andere Antwort:

Vegane Lebensweise ist … „egal.“
„Ich weiß nicht ob es gut oder schlecht ist, für die Tiere ist es natürlich besser, aber wie sich das mit z.B. Monokulturen verhält weiß ich nichtvegane Lebensweise ist …“
Vegane Lebensweise ist … „relativ.“
„Kommt auf die tatsächliche Ernährungsweise an“ (, ob vegane Lebensweise gut oder schlecht für die Umwelt ist; Anm.)
„Kann ich nicht beurteilen“ (, ob vegane Lebensweise gut oder schlecht für die Umwelt ist; Anm.)
Vegane Lebensweise ist … „kompliziert.“
Vegane Lebensweise ist … „ähnlich schädlich wie normale Ernährung (Resourcenverschwendung f. Sojaanbau).“
Vegane Lebensweise ist … „teilweise schädlich für die mitmenschen.“
„Solange das mit dem Sojaanbau stimmt (siehe Frage davor).“ (Anm.: Antwort kann aus dem Kommentar nicht abgeleitet werden.)
Vegane Lebensweise ist … „Mangelernährung.“
Vegane Lebensweise ist … „oftmals nur ein Hipstersport.“
Vegane Lebensweise ist … „Ressourcen neutral. (Studien dazu sind m. M nicht objektiv und unvollständig).“

In der Frage, ob es für den Menschen notwendig sei, tierische Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, liegt die Tendenz in Richtung Zustimmung (stimme zu: 27%/stimme eher zu: 33%/stimme eher nicht zu: 24%/stimme nicht zu: 16%). Bei der Frage, ob es in Ordnung sei, Tiere zum Zwecke der Ernährung des Menschen zu schlachten, zeigt sich ein differenziertes Bild (18%/38%/16%/29%).

Die für mich sehr spannende Frage, ob es richtig und gut sei, dass wir durch die Zucht von Schlachttieren eben diesen Tieren ein Leben/eine Existenz ermöglichen, das/die sie sonst nicht gehabt hätten, stimmen nur 7% zu, 19% stimmen eher zu, 19% stimmen eher nicht zu und 56% stimmen nicht zu.

18% stimmen zu, dass Schlachtungen würden human verlaufen, 16% stimmen eher zu. 30% stimmen eher nicht zu, 36% stimmen nicht zu.

Der Frage, ob es richtig sei, dass Tiere, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind, ein besseres Leben führen würden, als Tiere, die in freier Wildbahn leben, stimmen 7% zu, weitere 7% stimmen eher zu, 23% stimmen eher nicht zu und 64% stimmen nicht zu.

80% der Teilnehmer_innen betrachten den Menschen „von Natur aus“ als Allesesser. 7% halten ihn für einen reinen Fleischesser, 13% für einen Pflanzenesser.

82% halten es für sinnvoll, den Fleischkonsum zu reduzieren. 2% würden ihn ohne Einschränkungen beibehalten, 16% hielten es für sinnvoll, den Fleischkonsum gänzlich einzustellen.

Ich möchte mich bei allen, die meinen Fragebogen ausgefüllt haben, herzlich bedanken. Ich habe dadurch ein Bild erhalten, wie ihr denkt, meint und fühlt. Gerade die offenen Antworten habe ich als besonders interessant empfunden.

Ihr Lapideus

[1] vgl. Villa, Paula-Irene (2010). “(De)Konstruktion und Diskurs-Genealogie: Zur Position und Rezeption von Judith Butler”. In: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. Hrsg. von Ruth Becker. Wiesbaden: VS, Verlag für Sozialwissenschaften. isbn: 978-3531171708.

Das vegane Kaninchen

Die Schlagzeile einer österreichischen U-Bahn-Zeitung lautete heute: “AHS-Lehrer tötet vor Augen der Schüler zwei Kaninchen“. Hashtag “Tierleid”. Der Mann tötete – so der Bericht – offenbar zwei Kaninchen (“süßes Langohr”) mittels Bolzenschussapparat, um sie hernach vor versammelter Klasse zu sezieren.

Die Folgen? Die Schülerinnen und Schüler seien entsetzt gewesen, gegen den Lehrer sei relativ umgehend ein Strafverfahren (Tierquälerei, mutmaße ich) eröffnet worden, er habe den Tierschutzverband am Hals und es drohe ihm außerdem ein Disziplinarverfahren.

Zusammenfassend: Österreich ist empört, sowas gehört sich einfach nicht, das macht man nicht, wo hat denn der bitte sein Lehramt gemacht, vor allem in einer Unterstufe geht sowas nicht, natürlich gehöre Kindern erklärt, dass Tiere zum Verzehr getötet würden, aber doch bitte nicht so, und so weiter, und so weiter.

Ja, ich bin auch empört. Aber nicht nur, weil der Mann die zwei Kaninchen abgemurkst hat, sondern weil die meisten Menschen, die sich über den Lehrer echauffieren, überhaupt kein Problem damit haben, eine Wurstsemmel zu essen. Oder ein Schnitzel.

Jeden Tag sterben unzählige Tiere per Bolzenschuss und Ausblutenlassen in unzähligen Schlachthäusern. Ihr Leid ist unerträglich, doch niemanden schert es. Denn dort ist ja keine Schulklasse, die zusieht. Überhaupt sind dort nur Wenige. Alles schön versteckt. Aber das ist in Ordnung, denn worauf es ankommt, ist: Man muss ja schließlich Fleisch essen! Geht doch gar nicht anders.

Ein Interview mit Sarah Wiener, auf das mich eine Kollegin kürzlich aufmerksam machte, geht in dieselbe Richtung: Vegansein sei nicht die Lösung, zu vieles industriell und künstlich, man entferne sich zunehmend von der Natur. Und schließlich die immer wiederkehrende Vermutung der Carnivoren: Ob es nicht einfach unser Schicksal sei, Tiere zu essen. B12 und Enzyme und so. Sie wissen schon.

Das alles tut schon sehr weh. Wirklich. Ich möchte an dieser Stelle abbrechen und Sie an einen Vortrag der amerikanischen Psychologin Melanie Joy verweisen. Sie spricht in ihren Werken oft von den drei Ns: Wir empfinden es als normal, natürlich und notwendig, Tiere zu essen. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

Ihr Lapideus

 

Die Projekt-Brainstorm-Kuh

Es gibt einen Film aus dem Jahr 1983 mit Namen “Projekt Brainstorm”. Natalie Wood und Christopher Walken bauen einen Apparat, mit dem es möglich ist, Gedanken und Gefühle aufzuzeichnen. Andere Menschen können diese Gedanken dann wie einen Film ablaufen lassen. Mehr noch: Sie können in die Haut einer/eines anderen schlüpfen.

Es ist eine interessante Idee. Man könnte Dinge erleben, die einem sonst versperrt blieben. Einen Raketenstart etwa. Eine Kletterpartie für Profis. Oder ein virtuoses Schlagzeugsolo. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Der Film kulminiert darin, dass Natalie Wood ihren eigenen Tod aufzeichnet. Christopher Walken findet einen Weg, sich das Band “anzusehen”, ohne selbst dabei zu sterben, und wird so zum ersten Menschen, der den Tod eines anderen via Konserve nacherlebt.

Ich wünsche mir so einen Apparat in jedem Haushalt. Und dann zeichnen wir die Gedanken und Gefühle von Kühen, Schweinen und anderen Schlachttieren auf  – vom Verladen auf den LKW bis zum bitteren Ende. Würde mich wirklich interessieren, wie viele Menschen danach noch Fleisch konsumieren oder blöde Witze über Tofu machen würden.

Ihr Lapideus

 

Verzicht unmöglich

Wir können nicht mehr verzichten. Haben es verlernt. Wir möchten nehmen, wir möchten haben. Am besten alles und das sofort.

Man könnte auch sagen, wir haften an. Und alles, was gekauft werden kann, haftet sich an uns an, sobald wir es sehen.

Eigentlich nicht weiter schlimm. Es mangelt an nichts, alles fliegt zu, es braucht nur ein paar kleine Scheine oder Metallplättchen und zack – schon ist es da. Hedonismus ist nicht nur ein Wort, er ist unsere Realität.

Auch das wäre nicht weiter schlimm, würde es niemandem schaden.

Und hier fängt die Sache an, unangenehm zu werden. Da schaltet das Hirn ab, es wird erkennbar, dass das Wollen in uns große Macht besitzt. Das Wollen scheint nämlich untrennbar mit dem Verdrängen verbunden zu sein – wer viel will, dessen Fähigkeit dazu steigt ins Unermessliche.

Wir wollen Fleisch essen, also verdrängen wir das Morden. Wir wollen mobil sein, also verdrängen wir, dass wir die Atmosphäre verpesten. Wir wollen, dass alles billig ist, also verdrängen wir die unmenschlichen Produktionsbedingungen. Wir wollen es einfach haben, also benutzen wir Unmengen von Plastik und verdrängen die Schadstoffe darin und den Müll, der daraus entsteht.

Allein uns ändern, das wollen wir nicht.

Und das ist schade, denn die Änderung unserer Gewohnheiten ist die einzige Chance, die einzige Möglichkeit, zu einem gemeinsamen Nenner zu finden. Die einzige Möglichkeit, eine Balance zwischen unseren Bedürfnissen und denen des Rests der Welt zu erreichen.

Ihr Lapideus

Die Leiden eines Vegetariers

Ich bin kein Heiliger. Ich habe, konditioniert und unreflektiert wie ich nun mal war, 35 Jahre lang Fleisch konsumiert. Ich schäme mich dafür, aber es ist nicht mehr zu ändern.

Doch ich habe einen Schlussstrich gezogen: im letzten Jahr bin ich zunächst Vegetarier und dann Veganer geworden. Meinetwegen soll kein Tier mehr den Tod finden.

Die Umstellung war ein Lernprozess. Ich habe Nahrungsmittel kennen und schätzen gelernt, deren Namen ich zuvor nicht einmal kannte. Ich habe mich recht intensiv mit Fragen der Ernährung beschäftigt. Ich habe mich mit den Philosophien auseinandergesetzt, die hinter Vegetarismus und Veganismus stehen.

Am meisten jedoch habe ich gelernt, nicht zu verzweifeln und nicht bitter zu werden.

Nicht, dass Sie jetzt glauben, ich wäre schlecht behandelt worden oder gar ausgelacht. Keine Spur: Ich wurde nicht gemobbt, nicht beschimpft, nicht geschlagen. Tatsächlich stieß ich da und dort sogar auf Anerkennung.

Woran es aber trotzdem niemals mangelte, waren Kommentare. Unreflektierte, vor Überzeugung strotzende, von Unwissen und/oder Ignoranz durchdrungene und, ja, manchmal auch dumme Kommentare.

Und selbst das wäre nicht weiter schlimm, wenn es nicht auf eindrucksvolle Weise zeigen würde, was in der menschlichen Gesellschaft so furchtbar schiefläuft.

An ein paar Sager kann ich mich erinnern. Ich möchte sie mit Ihnen teilen:

“Und was ist mit den armen Karotten? Die haben doch auch Gefühle!”

“Weil wir Menschen Fleisch essen, ermöglichen wir es vielen Lebewesen ja überhaupt erst, zu existieren. Die wären sonst nie geboren worden.”

“Ich kenne keine Vegetarier, die Tiere wirklich mögen und in Not aufnehmen würden.”

“Die Vegetarier werden nie gewinnen.”

“Hinter Vegetarismus steht ein militantes Dogma.”

Wut und Wahrheit

Zuerst war ich wütend, zugegeben. Dann traurig. Dann frustriert. Wie jemand es eben ist, der eine Wahrheit gefunden hat, die mit Füßen getreten wird.

Ich möchte Sie nicht langweilen, also versuche ich mich kurzzufassen. Fakt ist: wir leben in einer Welt des Anthropozentrismus. Der Mensch ist einzigartig und toll, alles andere minderwertig. Ich halte das für falsch.

Tiere sind leidensfähig. Bereits Schopenhauer hat erkannt, dass Mensch und Tier hierin gleich sind, wenngleich er die Leidensfähigkeit nach Intelligenz abgestuft hat.

Punkt ist: Tiere SIND leidensfähig. Tiere empfinden Schmerz. Säugetiere (zu denen auch das Tier Mensch zählt, bitte nicht vergessen) emfinden zudem Gefühle wie Angst, Zuneigung oder Freude.

Trotzdem sind Tiere in unserer Welt nur Dinge. Sie sind eine Sache, von der wir glauben, dass wir frei über sie verfügen können. Dass wir sie “nutzen” können. Ich halte auch das für falsch.

Ich sage: Die Menschheit betreibt seit langer Zeit (zumindestens seit der Industrialisierung der so genannten “Fleischproduktion”) den größten Massenmord, den diese Welt je gesehen hat. Und falls Sie sich am Wort “Mord” stoßen: wie sonst würden Sie das Töten eines leidensfähigen, Schmerz und Angst empfindenden Lebewesens beschreiben?

Dabei hat der Mensch es schon lange nicht mehr nötig, Fleisch zu essen – es ist genügend pflanzliches Protein für alle da. Und auch alle anderen tierlichen Produkte können problemlos durch pflanzliche ersetzt werden. Wir haben Techniken und Methoden, um uns von tierlichen Produkten vollständig abkoppeln zu können.

Ich bitte Sie, flehe Sie an: Erkennen Sie diese Wahrheiten, die im Gegensatz zu vielen anderen, die Ihnen täglich präsentiert werden, tatsächlich welche sind.

Ihr Lapideus

ps: Zu den obigen Kommentaren das Folgende:
1. Karotten haben kein Nervensystem und somit keine Gefühle.

2. Lebewesen in Gefangenschaft aufzuzüchten um sie nach einem Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung umzubringen kann ja wohl nicht als gute Tat gelten. Verstecken wir uns nicht hinter selbstgefälligen Ausreden.

3. Ich kenne VegetarierInnen und VeganerInnen, die Tiere sehr lieben. Manche von ihnen so sehr, dass sie gegen Gesetze verstoßen und Tiere befreien. Eine ethische Grundhaltung, die einen das Ermorden von Tieren als falsch erachten lässt, hat aber prinzipiell nichts damit zu tun, ob man Tiere mag oder nicht. Interessant hingegen finde ich, dass viele Tierliebhaber ohne mit der Wimper zu zucken Fleisch konsumieren.

4. Das ist kein Krieg. Und wenn es doch einer sein sollte, dann gibt es nur einen Verlierer: die Tiere.

5. Wenn die Achtung vor und die Wertschätzung von Leben ein militantes Dogma ist, dann stimme ich zu.

Globaler Fleischfanatismus

Ich weiche ab. Vom Thema, meine ich. Es geht heute um: Vegetarismus.

Bei unseren Nachbarn in Deutschland gab und gibt es eine Diskussion um den so genannten “Veggie-Day”, ein Vorschlag der Grünen um einen verpflichtenden fleischlosen Tag in Kantinen.

Um ehrlich zu sein: Der Veggie-Day als Politikum ist mir egal und ich werde ihn hier nicht weiter kommentieren. Nicht egal sind mir jedoch die Argumente, die gebracht werden, und die Reaktionen auf dieses Thema.

Wenn man sich die Schlagwörter in den Medien ansieht, dann sieht das etwa folgendermaßen aus: Es geht um “unsoziale Fleischproduktion”, um “Klimaschädigung”, um “Gesundheitsgefährdung”. Das sind die Aufmacher, darüber wird diskutiert.

Fällt Ihnen etwas auf?

Es geht nicht um die Tiere. In keinem Satz. Dass Tiere getötet werden, um die Ernährungsgelüste des Menschen zu befriedigen, wird nicht erwähnt. Und ich bin mir sicher: Nicht aus Bosheit. Es muss wohl Ignoranz sein.

Nun werden Sie, sofern Sie überzeugter Fleischesser sind, vielleicht auf die Barrikaden steigen und sagen: Lapideus, Sie Idiot, Sie sind ja wohl so ein weltverbesserischer Gutmensch, ein tumber Tor, ein tiervernarrter Fanatiker.

Darauf muss ich antworten: Nein, das bin ich nicht. Ich bin (leider) noch nicht lange Vegetarier. Ich habe den Großteil meines Lebens Fleisch gegessen, hoffe aber, den größeren Teil meines Lebens noch vor mir zu haben, und ich verspreche, dass ich diesen fleisch- (Ernährung) und lederlos (Kleidung) verbringen werde. Ob ich es zum Veganer schaffe, weiß ich noch nicht.

Und wirklich: Ich bin kein Fanatiker. Ich bin ein äußerst rationaler Mensch. Ich habe lange und gründlich nachgedacht, bevor ich mich entschlossen habe, kein Fleisch mehr zu konsumieren.

Das Thema dabei war aber nicht meine Gesundheit. Auch nicht die unsozialen Verhältnisse oder die klimaschädlichen Bedingungen, die sich hinter dem schrecklichen Wort “Fleischproduktion” verstecken. Alles gute Gründe, aber nicht, worum es mir primär ging und geht.

Mein Beweggrund: Ich wollte einfach nicht, dass noch mehr Tiere meinetwegen getötet werden. Ich selbst könnte niemals eine Kuh umbringen. Kein Huhn. Nicht einmal eine Maus. Ich will das nicht, ich werde es nie tun. Aber wie sollte ich dann vor mir rechtfertigen, die zu einem Burger verarbeiteten Teile eines Rindes zu verspeisen? Oder die irgendeines anderen Tieres?

Ja, der Mensch steht an der Spitze der Nahrungskette. Die Position hat er sich erjagt, erkämpft, ertötet, erindustrialisiert. Ohne Zweifel. Aber es gibt keinen Grund, dass er dort stehen bleibt. Er kann die Nahrungskette verlassen, außerhalb stehen, sich anders ernähren. Allein, er tut es nicht. Warum? Weil es ihm schmeckt. Ich glaube, so simpel ist es.

Globaler Fanatismus

Vielleicht ist das Wort Fanatismus verfehlt, aber da es in Richtung der Vegetarier und Veganer doch recht häufig gebraucht wird, verwende ich es an dieser Stelle (ich habe das auch bereits in einigen Tweets getan). Ich behaupte also: Was den Fleischkonsum und das Töten von Tieren betrifft, leben wir in einer Welt des globalen Fanatismus. Er fällt nicht wirklich auf. Aber er ist da, hat die Gesellschaft durchdrungen. Die Mehrheit der Weltbevölkerung nimmt Teil – alle sind Fanatiker, ohne es zu wissen.

Warum? Sehen Sie sich bitte die Zahlen auf http://de.wikipedia.org/wiki/Viehwirtschaft an. Sie werden feststellen, dass allein in den Top 10 “Fleisch produzierenden” Staaten jährlich etwa 172 Millionen Tonnen Fleisch hergestellt werden (wird natürlich in Tonnen angegeben, nicht in Tieren …). Umgerechnet auf ein Rind von 500 kg wären das 344 Millionen Rinder, die jährlich ihr Leben lassen müssen, um zu Schnitzel, Gulasch oder Steak verarbeitet zu werden – wobei das sicherlich eine Milchmädchenrechnung ist, denn nicht alles vom Tier wird verwertet.

Und jetzt mal ehrlich: Finden Sie das nicht ein bisschen fanatisch? Oder umgekehrt: Finden Sie es wirklich fanatisch, wenn jemand an diesem System nicht teilhaben will und vorschlägt, die Tiere doch bitte in Ruhe zu lassen? Andere Wege zu finden, die durchaus im Rahmen des Möglichen liegen? Und sogar schmecken?

Dabei gehe ich noch nicht einmal soweit, dass ich die Gefühle der Tiere ins Spiel bringe. Oder Tierversuche. Oder Pelzproduktion. Oder das Wort “Tiermord”, das es juristisch gesehen gar nicht gibt, weil Tiere bei uns ja nur eine “Sache” sind, und keine Individuen. (Klingelt vielleicht auch hier die Fanatismusglocke?)

Sukkus

Vielleicht werden Sie mich hassen, wenn Sie diesen Artikel gelesen haben. Vielleicht werden Sie noch immer sagen: Idiot, Weltverbesserer, etc. Vielleicht. Aber ich bitte Sie um Folgendes: Gehen Sie in sich und beantworten Sie ganz ehrlich die Frage, ob Sie das Tier, das Sie verspeisen oder am Körper tragen möchten, töten könnten. Wenn die Antwort “Nein” lautet, dann gehen Sie einen Schritt weiter, indem Sie sich die Frage stellen: Warum bin ich eigentlich kein Vegetarier?

Ihr Lapideus (Vegetarier, kein Fanatiker)