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“zarte takte tröpfelt die zeit”

Marlies Blauth, eine Frau, die ich seit Jahren kenne, und die ich doch noch nie getroffen habe, hat ein Buch geschrieben. Ein “besonderes Heft” mit Gedichten – oder lyrischer Prosa, wie mir die Autorin erlaubt hat, die Texte auch zu nennen. Es trägt den Titel “zarte takte tröpfelt die zeit”. Und dies ist der Versuch einer Rezension.

Es muss eine Gabe sein oder harte Arbeit, das zu vollbringen, was Marlies Blauth gelingt. Innerhalb weniger Zeilen ein Gefühl in eine*m*r entstehen zu lassen, das die Unmittelbarkeit der Situation, aus der heraus das Gedicht wohl erschaffen worden sein muss, so klar zu Tage treten lässt, als ob mensch neben der Autorin stünde, die, mit einem Lächeln, auf die Welt gewordenen Wörter zeigt und sagt: “Schau, dort!”. Es sind Bilder, die Marlies Blauth malt, Wörterbilder. Minaturen wie die, die sie mit Farbe auf Leinwand oder Papier bringt. Aneinanderreihungen von Pigmenten, die ein differenziertes Ganzes ergeben und mit jeder Betrachtung an Tiefe gewinnen.

Mensch könnte sagen, “zarte Takte tröpfelt die zeit” ist ein Buch, das sich in dem Moment, in dem man es aufschlägt, verändert. Marlies Blauths Texte reagieren mit dem*der Leser*in, ordnen sich um, verwandeln sich, nehmen ihn*sie in sich auf. Und die wunderschönen Kohlestaubzeichnungen tun das ihre dazu.

Das Buch ist im NordPark-Verlag erschienen und verdient es, erfahren zu werden.

Marlies Blauth | zarte takte tröpfelt die zeit | Gedichte | Mit Zeichnungen von Marlies Blauth und Nachworten von Jutta Höfel | Heftbroschur mit Schutzumschlag | Fadenheftung | 2015 | 96 S. | Euro 6,50 | Die besonderen Hefte | ISBN: 978-3-943940-05-3