Twittern Sie auch zu viel?

Franz Marc - Der tote Spatz

Franz Marc (1880-1916) – Der tote Spatz
[Public Domain] via Wikimedia Commons

Obwohl ich bereits seit längerem einen Twitter-Account besitze, habe ich noch nie so viel Zeit auf dieser Plattform verbracht wie in den letzten vier Wochen. Ich bin mir nun sicher: Twitter ist einzigartig.

Auf Twitter kommuniziert man mit Menschen, denen man nie zuvor begegnet ist. Den meisten dieser Menschen wird man vermutlich auch nie begegnen, will sagen: von Angesicht zu Angesicht. Und trotzdem gibt es eine Verbindung mit ihnen.

Es ist nämlich unglaublich leicht, auf Twitter Menschen mit Interessen und Neigungen zu finden, die den eigenen ähnlich sind. Man kann sich austauschen. Man erhält eine Fülle von Informationen – Links auf Zeitungs- und Blogartikel, Vorschläge, Empfehlungen, you name it – die man kaum überschauen kann. Herrlich!

Der Nachteil dabei: Man kann 24/7 twittern (schreibend wie lesend) und bekommt trotzdem nur einen winzigen Bruchteil dessen mit, was so in die Welt hinausgezwitschert wird. Twitter ist ein Fass ohne Boden. Ein großartiges – zugegeben. Doch das ändert nichts an der Sache.

Schreiben

Mein erklärtes Ziel für 2013 ist es noch immer, ein Buch zu schreiben. Nennen wir es von mir aus Roman. Was es am Ende wirklich wird, werden wir sehen.

Der Haken dran ist, dass meine Zeit knapp bemessen ist. Ich bin Ehemann, Vater zweier Söhne und verdiene mein Geld in einem Job, der mit dem Schreiben so viel zu tun hat wie Schneeschaufeln mit dem Anfertigen von Eisskulpturen.

Ich muss also mit meiner Zeit haushalten. Die Zahl der Freiräume, die ich für das Schreiben reservieren kann, ist gering. Ich muss priorisieren.

Und dann kommt Twitter daher, wo Menschen Texte in die Welt pfeifen, denen man sich kaum entziehen kann. Wo Menschen das Schreiben ganz offensichtlich genauso lieben wie man selbst – oder sogar noch mehr.

Notbremse

Im meinem Artikel „Baseball“ habe ich schon einmal ein ähnliches Szenario beschrieben: Meine Schreibzeit war auch damals bedroht worden. Nur, dass der Aggressor eben Baseball war, und nicht Twitter.

Im Unterschied zu Baseball hat Twitter jedoch bereits eine Schlacht gewinnen können. Es hat nämlich in meinem Kopf Fuß gefasst. Ich twittere gern. Es macht mir Spaß. Der Akku meines Smartphones ist schon am Verzweifeln.

Was bleibt mir also? Ich fürchte, ich kann nur die Notbremse ziehen. Gemäßigt, wohlgemerkt. Es soll ja kein voller Stopp werden. Eher eine wohldosierte, aber sehr scharfe Bremsung in Richtung gemächliches Fahren.

Ich werde nur mehr jenen Menschen folgen, die mich wirklich interessieren. Alle anderen muss ich um Verzeihung bitten. Darüber hinaus werde ich nur mehr ein- oder maximal zweimal pro Tag twittern. Anders geht es wohl nicht.

Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich, dann verraten Sie mir bitte, wie Sie sie handhaben. Wie sieht Ihre Lösung aus? Das würde mich wirklich interessieren!

Ihr Lapideus

Der nächste Artikel erscheint am 6.2.2013.

 

11 thoughts on “Twittern Sie auch zu viel?

  1. Mama arbeitet

    Hallo Lapideus,

    verstehe ich gut, und die Formulierung “ein Fass ohne Boden” passt auch zu dem Sog, den ich da verspüre. Ich habe das hier beschrieben:

    http://mama-arbeitet.de/social-media/faszination-twitter

    Twitter ist mein Lieblings-Social-Medium, und das einzige, das meinen Spieltrieb so richtig anspricht. (Mag keine Online-Spiele). Ich möchte nicht darauf verzichten, kann mir das extensive Twittern aber momentan auch nur erlauben, weil ich als freie Autorin und Texterin im Home Office sitze und zeitlich nicht ausgelastet bin. Und abends hocke ich mit den Kindern daheim und verlustiere mich drum etwas ausgiebiger auf twitter, damit mir nicht so langweilig wird.

    Trotzdem: wenn ich schreibe, ist nur ein Word Doc offen, eventuell noch Papierausdrucke zum Auftrag auf dem Tisch, kein Radio, nix. Ich schätze, Twitter ist für mich eine inspirierende Ablenkung.

    Herzlichen Gruss, Christine

    Reply
    1. Lapideus Post author

      Hallo Christine!

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Kann ich alles nachvollziehen, wobei mir mit meinen Kindern derzeit noch alles andere als langweilig ist. Aber auch für mich gilt: Twitter ist mein liebstes soziales Medium. Während FB zu so einer Art Nabelschau unter so genannten Freunden geworden ist, ist Twitter eine riesige Plattform für Gleichgesinnte – genau wie du in deinem Artikel sagst.

      Liebe Grüße,
      Bruno

      Reply
  2. Momle

    Twittern ist so herrlich unverbindlich und koennte eventuell , vielleicht , unter Umstaenden nette Kontakte hervorbringen….auch das ideale Medium fuer echte Narzisten, die immer wieder eigene Tweets lesen -;) .
    Und nun los,,,

    Reply
    1. Lapideus Post author

      Hallo,

      danke für deinen Kommentar! Was ich mit Sicherheit bestätigen kann: Twitter bringt nette Kontakte hervor. Unglaublich nette sogar.

      Das mit dem Dem-Narzissmus-Fröhnen stimmt sicher auch, allerdings funktioniert das nicht nur bei Twitter. 😉

      Liebe Grüße,
      Bruno

      Reply
    1. Lapideus Post author

      Hallo Sabine,

      freut mich sehr, dass Ihnen der Text gefallen hat! Vielen Dank für das Lob!

      Zum Twittern: Solange etwas gut tut, ist ja alles in Ordnung, oder? 🙂

      Liebe Grüße,
      Bruno

      Reply
  3. Gian

    Hallo Bruno

    Du triffst den Nagel auf den Kopf.
    Falls man nicht in der luxuriösen Lage ist, von den eigenen Worten leben zu können, ist man unweigerlich einem Brotjob verpflichtet. Kommt dann noch Familie und Schreiben dazu, bleibt kaum noch Zeit.

    Ich persönlich habe auch erste im Dezember intensiv begonnen zu Twittern. Und es ist wie du schreibst, man lernt nette Menschen – Gleichgesinnte – kennen.

    Will man aber seiner gesamten Timeline gerecht werden, ist das unmöglich. Mittlerweile habe ich damit begonnen, mich jeden 2. Tag auszuklinken und wirklich nur noch auf direkte Tweets zu reagieren. So konnte ich meine tägliches Pensum von mindestens einer Stunde auf 10 Minuten reduzieren – ohne dabei jemanden zu vernachlässigen.

    Liebe Grüße aus der Schweiz
    Gian

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  4. Adriana

    Hallo Lapideus,

    Ja, ich twittere auch zu viel. Wahrscheinlich kommen wir alle früher oder später zu diesem Entschluss. Ich schreibe zwar nicht viel aber lese hier sehr viel. Und die Zeit ist ja so kurz wenn man arbeitet und danach noch so vieles zu erledingen hat… Aber es stimmt, es macht Spass – man muss nur immer aufpassen dass man die Gränze nicht überschreitet – wenn man merkt es geht nicht mehr. Ich bin auch dabei Grenzen zu setzen. Inzwischen hast Du ja schon bereits die Lösung, denk ich 🙂 Vor einem Monat wollte ich “mich löschen” da es zu viel war. Aber es ist beruhigend zu wissen dass andere irgendwann mal auch so empfunden haben 🙂
    Danke.
    Herzliche Grüsse
    Adriana

    Reply
    1. Lapideus Post author

      Hallo Adriana!

      Danke für deinen Kommentar! Du hast auf jeden Fall recht, man soll nichts übertreiben. Und Twitter ist eine hervorragende Plattform, um mit dem Übertreiben zu beginnen. Deinen Drang, den “Account löschen”-Knopf zu drücken, kann ich also sehr gut nachvollziehen.

      Ob ich für mich wirklich eine Lösung gefunden habe, weiß ich nicht so genau – ich verbringe noch immer viel Zeit auf Twitter. Aber in meiner Prioritätenliste steht es auf jeden Fall nicht an erster Stelle. Und ich scheue mich nicht davor, mal für einige Tage oder sogar Wochen abzuschalten.

      Liebe Grüße,
      Lapideus

      Reply

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